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Berlin, 25.08.07 Eingestellt von Marie Kampmann.





2. Oktober 2006
Energie im Umspannwerk - Evelyn Pschak

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Louis Vidal
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Ralph Ueltzhöffer
Ralph Ueltzhöffer "Textportraits"
 

 


 
       
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Berliner Liste

Energie im Umspannwerk

Evelyn Pschak

2. Oktober 2006

Berliner Liste 06. Vom 29. September bis 4. Oktober 2006, 13 bis 21 Uhr

Die Berliner Liste 06, die zeitgleich zum ART FORUM BERLIN am 29. September eröffnete, zeigt zum dritten Mal und noch bis zum 4. Oktober auf insgesamt 2.300 Quadratmetern 150 Künstler von 42 internationalen Galerien – 25 aus Deutschland, davon zwölf aus Berlin selbst. Mehr als die Hälfte der Aussteller ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei, vielleicht als Folge des eher negativen Medienechos 2005. Diesjähriger Austragungsort ist abermals das ehemalige Umspannwerk in der Kopenhagener Straße, ein Backsteinbau aus den 1920er Jahren von Hans Heinrich Müller. Noch bis 1993 lieferte das Werk Energie, danach beherbergte es das Vitra Design Museum. Kein schlechtes Omen für diese Messe junger Kunst: Ein Ort elektrifizierenden, kreativen Denkens. Oder gar eine Bewegung gegen den Strom?

Der Initiator der Berliner Liste, Galerist Wolfram Völcker, hatte 2003 die Idee, eine Messe zu organisieren, die experimentelle Künstler schneller akzeptiert als die arrivierten Messen. Die Stadt Berlin beherbergt über 350 Galerien und sehr viele junge Künstler. Ein besonderer Trumpf dieser Nebenmesse ist die Kombination von jeweils einer lokal etablierten und einer ausländischen Galerie in sogenannten „Tandemständen“, die gerade den jungen Künstlern internationalen Zugang ermöglichen sollen.

Die Frankfurter Galerie CarloniSpazioArte präsentiert seit 2003 junge italienische Künstler. Francesco Bocchini lebt und arbeitet in Gambettola, einem kleinen Nest in der Emilia-Romagna, das kaum jemand kennt und falls doch, dann nur aufgrund seiner traurigen Berühmtheit als Ort der großen Schrotthalden. Bocchini verarbeitet rostige Fundstücke zu dadaistischen Skulpturen, mechanisiert sie mit einer kleinen Kurbel und mythisiert die subtil-verrotteten objets trouvés durch klingende Namen wie L’eleganza del grande letterat-linguista Medardo Vincenti (4.380,- Euro).

Die Galerie Van Wijngaarden Hakkens aus Amsterdam präsentiert in einer Einzelausstellung den niederländischen Maler Maurice Thomassen. Thomassen baut die Bilder in Schichten auf, tränkt Stücke von Leinwand in ein Kaffee-Acrylbindergemisch oder Silikon und appliziert sie in mehreren Ebenen zu Gesichtern oder Szenerien. In seiner Bildfindung, die er „mechanisches Zurück-Photoshoppen“ nennt, rekonstruiert er bekannte Vorlagen aus den Medien oder kriminalistische Aufnahmen wie Fahndungsfotos. In der Verfremdung der Vorlage findet er ihre bedrohliche Essenz. Selbst der roséfarbene Plattenspieler (Re-) Turntable (6.500,- Euro) verliert so seine Harmlosigkeit: Im Vorbild des Gerätes soll Andreas Baader einst seine Pistole versteckt haben.

Die Kölner Binz & Krämer beherbergen die Kunstharzskulptur Dangerous Garden I (16.000,- Euro) des spanischen Künstler Luis Vidal an ihrem Stand. Vidals wiederkehrendes Thema ist die Verletzlichkeit von Minderjährigen, der Kindesmissbrauch. Als ikonografisches Leitwerk dient ihm Hieronymus Boschs Garten der Lüste als lasterhafte, sinnenfrohe Welt. Vidals Skulpturen wirken auf den ersten Blick unbekümmert, fast lieblich. Doch im verzauberten Idyll wachsen Sexualorgane aus Blumen und die vermeintlich beschützende Umgebung trügt.

Der Artspace Witzenhausen widmet eine Wand den großformatigen Fotografien von Hendrik Kerstens, dessen einzige Muse seine inzwischen 18-ährige Tochter Paula ist. Die Komposition und die Verwendung des Lichts in den C-Prints erinnern in ihrer Erhabenheit und starken Präsenz des Modells an die Malerei der niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts. Gerade Towel (4/6, 6500,- Euro) – hier türmt sich ein blaues Handtuch auf Paulas Kopf – entspricht der Übersetzung eines Mädchen mit Turban von Vermeer ins 21. Jahrhundert.

Die Pariser Galerie Iragui wird von der jungen Russin Ekatherina Iragui geführt, die russische Künstler vertritt. Pavel Pepperstein ist im Kreis der russischen Konzeptualisten groß geworden, sein Vater war der Künstler Victor Pivovarov, Ilya Kabakov ein Freund der Familie. Um sich abzugrenzen, nannte Pavel sich schließlich – inspiriert von Thomas Manns Figur des „Mynheer Peeperkorn Pepperstein“ aus dem Zauberberg – Pavel Pepperstein und ist in Russland mehr für seine Schriften als seine Zeichnungen bekannt. Die in Berlin ausgestellten Blätter wie Tunnel mit Mädchen (4.000,- Euro) zeugen mit dem feinen, fast gedruckten Strich der Figuren von der kalkulierten Sogkraft seiner Tuschewischungen.

Burkhard Eikelmann aus Düsseldorf zeigt unter anderem viele kleinformatige Werke von abstrus-anzüglichem Witz des hessischen Künstlers Jan M. Petersen. Wer seinen Lebenslauf in Untersparten wie „1977: Besitz des ersten eigenen Werkzeugkastens“ und „1980: Beschluss zur Punkwerdung“ unterteilt, ist auch fähig, sich ein „Kunstkaufhaus Ost“ auszudenken, mit dem er auf Messen und Jahrmärkten kleine Originale zu Schleuderpreisen feilbietet. Auch auf der Berliner Liste war der Eikelmann-Stand (Petersen-Werke, Nitro-Frottage, ab 39,- Euro) der mit den meisten roten Punkten.

Ca’ die Fra’ aus Mailand stellt Danilo Buccella dunkle Frauengestalten vor, die in ihrer Zweideutigkeit gehetztes Opfer und abgefeimte Scharfrichterin zugleich sind. Die Titel zeugen von einer anderen Realität, für die seine Modelle als vermittelndes Medium agieren: Sulle labbra del mare il libro heißt eine Version der in typischer Draufsicht gemalten Frauenfigur in unterkühltem Interieur. Es wird etwas passieren, vielleicht ist es auch schon passiert. Man mag der unbefleckten Reinheit von Modell und Umgebung nicht trauen und erwartet jeden Moment eine Blutrinne auf der marmornen Treppe. Aus der Perspektive, die der Künstler wählte, wäre es dann das Blut des Betrachters...

Die Münchner Galerie Royal stellt den Bulgaren Valio Tchenkov vor, der in seiner Malerei das „charmante Prinzip der Serendipity“ – also der Sonderbegabung, unbeabsichtigt glückhafte Entdeckungen zu machen – in den Mittelpunkt stellt. Mit selbst gebastelten Farbbomben aus Aluminiumpulver, orangeroter Mennige, Kieselsteinchen aus der Isar (Tchenkov lebt und arbeitet in München), Zeitungspapier und einer luftdichten Verpackung aus Klebeband, die der Künstler an die Standwand warf, entstanden expressive Farbsetzungen in feinen Grau- und Orangeabstufungen von scheinbar pastoser Konsistenz. Tchenkov stellt farbmarkierte, freigesetzte Energie aus. Die Werke tragen als Titel die Headlines der Zeitung, in die das Geschoss eingewickelt war. Am Galeriestand kann man einen Sprengkörper für den Eigenent-„Wurf“ zu Hause erstehen: Ein kleines, braun verpacktes Unikat wird für 600,- Euro verkauft.

Als Sonderprojekt der diesjährigen Messe gibt es einen 200 Quadratmeter großen Video-Bereich, in dem Arbeiten der Videoklasse von Prof. Maria Vedder der Berliner Universität der Künste gezeigt werden. Die junge Koreanerin Chan Sook Choi studiert im 8. Semester Experimentelle Mediengestaltung und präsentiert mit Folgen der Spur (2.500,- Euro) eine Videoinstallation, die der Technik und Philosophie der traditionellen Tuschemalerei Ostasiens gewidmet ist. Mit einfachen Mitteln –das Schwarz-Weiß-Porträt einer Freundin wird in Wasser gelegt, die Auflösung der schwarzen Tinte, die sich wie zarte dunkle Schleier über das Gesicht legt, währenddessen dokumentiert – entstehen Bilder voll melancholischer Schönheit.

Die Galerie Davide di Maggio (Mailand/Berlin) hat mit Oda Jaune eine – schon durch ihre Ehe mit Jörg Immendorff – prominente Vertreterin der figurativen Malerei an Bord. Oda Jaune war ursprünglich eine Bewohnerin des nach Peer Gynt benannten Phantasiereiches „Gyntiana“. Die heutige Jaune lokalisiert dieses Reich „dort, wo alles offen ist, wo es keine Grenzen, keinen Zeitbegriff gibt“ und tatsächlich scheinen auch ihre Motive, die sie aus eigenen Urlaubsfotos rekurriert, Zeit und Ort entrückt. Düsteres liegt in den Figuren, nichts verrät mehr ihre heitere Entstehung. Ihre Malerei (ohne Titel, 40 x 50 cm, 3.500,- Euro) wirkt, als müsse sie Ernsthaftigkeit beweisen, als könne man Tiefe durch Schwere erreichen.

Die Christopher Cutts Gallery aus Toronto zeigt in einer Einzelausstellung des Bildhauers Richard Stipl. An den Wänden hängt immer der gleiche Miniaturkopf aus Wachs und Pigmenten (10 Heads, 13.000,- Euro), Selbstporträts des Künstlers, circa. 10 Zentimeter hoch, nur der jeweilige Ausdruck könnte unterschiedlicher nicht sein: Wut, Trauer, Angst, Selbstzufriedenheit, Komik. Menschliche Regungen, an sich selbst abgeguckt, sind das große Thema des kanadischen Künstlers tschechischer Abstammung. Realistisch und doch bizarr erinnern die Grimassen an Pieter Brueghel d. Ä., Franz Xaver Messerschmidt aber auch Ron Mueck. Lange bleibt man vor ihnen stehen, sieht sich ein bisschen selbst, ist ergriffen und muss doch lachen, denn Stipls Köpfe vereinen in einer fesselnden Synthese handwerkliches Können, Selbstanalyse und Humor.

Beim Rundgang durch die geöffneten Räumlichkeiten des Umspannwerks stößt man natürlich auch auf Werke, die man nicht hätte sehen müssen. Man empfindet den genius loci – die Wechselwirkung von Spannung und Ruhe – auch in den einzelnen Galeriebereichen. Hegel definierte die Elektrizität als den reinen „Zweck der Gestalt, der sich von ihr befreit“. Das ist sehr nahe an Baudelaires „l’art pour l’art“ und dessen Forderung, dass die Kunst sich von einem Zweck befreien solle. Die Wahl des Austragungsortes kann also wohl tatsächlich als gutes Omen gelten.

 

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Louis Vidal
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Kunstprojekte: "Roulette von Lisa Schmitz"



Eine Installationsbeschreibung:

In einem abgedunkelten Raum von 15x3x3m wird von einem Beamer eine Videosequenz in endloser Rückprojektion auf die dem eintretenden Betrachter gegenüberliegende quadratische Wand übertragen.

Zu sehen sind computermanipulierte Genesistexte, die als Rolltext auf dem Hintergrund orange-weissen Millimeterpapiers erscheinen.
Bei einer langsamen Annäherung an die Projektionsfläche bewirkt ein System mehrerer aufeinanderfolgender Sensoren, bzw. Überwachungskameras, dass sich Farbe, Form und Schrift des Videos verwandeln in schnellere oder langsamere Sequenzen s/w rotierender Motion Blurs und in partikelsprengende Transformierungen. Sie beruhen auf Bildfolgen, die ich in dem unterirdischen, über mehrere Kilometer hinweglaufenden, ringförmig angeordneten Tevatron-Beschleuniger des Fermi Laboratoriums aufgenommen habe. Des weiteren wird eine sich drehende Datenträger-ähnliche Scheibe aus gelbfarbenem mundgeblasenen und sandstrahlbehandelten Glas sichtbar, die in Form einer Spirale Verben, also Zeitwärter in Partizipform aufweist. Sie charakterisieren den Zustand der Bewegung: rauschend, stechend, durchbrechend, schlagend, rasend, hetzend, taumelnd, fließend, schleifend, knallend, flackernd, jagend, usw. Dabei bewegt sich die Scheibe in einer Weise, die es ermöglicht, die Worte als solche wahrzunehmen, sie jedoch kaum lesen zu können. Zugleich bewirkt die Spiralform ein magnetisches Angezogenwerden des Blickes in der Art eines Tunnel-Sogs.

Die Manipulation der Bewegungseindrücke wird schließlich in Gestalt manipulierender Hände im Bilderfluss selbst zum Thema. Sie generieren als Metapher den Austausch der Energien als konkrete Handlungsweise. Dabei überlagern die realen Schatten der Hände als Imagines die abgebildeten.

Die Aktivierung des letzten Sensors (ca. 1m vor der Projektionsfläche) löst eine absurde letzte Videoprojektion schlichten Millimeterpapiers aus. Sinnloserweise besteht die starre Projektion aus 4500 einzelnen frames. Die 25/fps-Bewegung gerät zum Still; als letzte Imagosequenz verschmelzen die laufenden Bilder mit dem realen Installationsraum, dessen Wände innen und außen aus aufgespanntem Millimeterpapier bestehen. Bewegung und Stillstand gehen als Paradox in eins.
Lisa Schmitz

Roulette

Video/Installation - Lisa Schmitz
Musik - Hans Ulrich Humpert

Interaktives Computergestütztes Video/Audioprojekt
DVD/CD/Sensorik/Überwachungskameras/Computer/
AV-Mixer/Millimeterpapier/Holzleisten, 15x3x3m
1995/2001

Realisation
Kunsthochschule für Medien Köln
Musikhochschule Köln
Forschungszentrum J¸lich
GMD Sankt Augustin
Fermilab Batavia
Long Beach Museum of Art
Villa Aurora Foundation
Viper Basel
PPS Berlin
Goethe-Institut Chicago
Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart

Studiobearbeitung/Video Miha Vipotnik, Video Annex des Long Beach Museum of Art
Klaus-Günter Rautenberg, GMD Sankt Augustin
Arthur Jogerst, Kunsthochschule für Medien Köln Interface/Sensorik Martin Nawrath, Kunsthochschule für Medien Köln
Interface/AV-Steuerelektronik Heinz Rongen, Günther Brandenburg, Forschungszentrum Jülich
DVD-Produktion Ewald Hentze, Kunsthochschule für Medien Köln
Studiobearbeitung/Musik Marcel Schmidt, Musikhochschule Köln

Besonderer Dank gilt Siegfried Zielinski, Richard Wagner, Conny E. Voester, David A. Finley, Judy Jackson, Martin Reiser, Monika Fleischmann, Hans-Georg Knopp, Wolfgang Strauss, Horst Halling, Norbert Nowotsch, Bob O'Kane, Sven Mann, Wolfgang Vonolfen, Andrew Solomon, Robert Jarmatz, Marianne Heuwagen, Christoph Keller, Norma Drimmer, Andreas Walther, Carlotta Brunetti, Michael Graf Buquoy, Josef Weizenbaum, Heiko Daxl.

Die Präsentation des Projektes Roulette wurde ermöglicht im Kontext des Symposiums "Kunst als Wissenschaft - Wissenschaft als Kunst" mit freundlicher Unterstützung des Forschungszentrum Jülich und des MD Berlin.

 

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Textportraits und Hologramme

Ralph Ueltzhöffer (*1966 Mannheim)

Ralph Ueltzhöffer reduziert Bild und Text, zeigt eine Symbiose aus Biografie und Fotografie, schafft ein Zusammenwirken, ein Zusammenspiel von Arbeit, Lebensweise und Aussage.
Er reduziert die Persöhnlichkeit auf das Sichtbare, das Geschriebene und zeigt bleibende Werte unserer Gesellschaft. Schauspieler, Politiker, Prominente, Künstler. Ralph Ueltzhöffer bedient sich der Biografie und des Portraits und schafft neue Sichtweisen aus altbekanntem.
Ralph Ueltzhöffer, *19966 in Mannheim, Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei
Andreas Slominski und Ernst Caramelle.

Ein weiterer Teil seiner Arbeit ist die "Lichtarchitektur", Hologramme aus Licht - Simulationen wie die Frage des "Nachprüfbaren". Ralph Ueltzhöffer - Monika Sprüth Galerie 2004, Lichtarchitektur - Hologramm, Ralph Ueltzhöffer 2005 Cabinet Gallery London, Burnett Miller Gallery 2006 - Lichtkunst - Architektur aus Licht - Hologramme.

 

Monika Barth, Hologramme, Lichtarchitektur, Lichtkunst von Ralph Ueltzhöffer

Was wir vor kurzem einzig und allein aus Sience Fiction Filmen kannten, z.B. das Holodeck aus der Serie Raumschiff Enterprise, könnte zunehmend zur Realität werden. Rauminstallationen aus Licht, unvorstellbar und doch mit modernster Beleuchtungstechnik, Laser-Lichtreflektion bedingt möglich. Der Lichtkünstler Ralph-Ueltzhöffer (Translocation), arbeitet seit ein paar Jahren an dieser Möglichkeit einer raumbezogenen Lichtarchitektur. Ziel der Arbeit ist das Umsetzten, das Transferieren einer Geschichte "Die Geschichte von der hungernden Biene", (sie erzählt die vergebliche Suche der Bienen nach Nektar an Sonnenblumen die sich selbst bestäuben). Simulation, Irritation. Die Bienen waren nicht in der Lage, Nektar zu sammeln trotz in Blüte stehender Sonnenblumen. Sonnenblumen-Hologramme aus reinem Licht, fast völlig entmaterialisiert, erscheint somit als einzige raumbezogene Variante dieser Geschichte Rechnung zu tragen.

Aller Anfang ist schwehr, Ende 1999 die ersten Versuche Hologramme zu entwickeln. Ueltzöffer:"Ich habe mit der Zeit aufgehört die vielen misslungenen Versuche zu zählen, und habe mir eingeredet manche Dinge sind einfach nicht machbar. In meinem viel zu kleinen Atelier waren die Mittel und Möglichkeiten sehr begrenzt. Ich erinnere mich noch an die ersten halbwegs brauchbaren Ergebnisse. Mit Hilfe von sechs Diaprojektoren und einer Seidenkonstruktion war es mir möglich den Raum erstmals mit einem hologrammähnlichen Gebilde zu bespielen. Irgendwann ist mir dann die Sicherung rausgeflogen und ich habe mich heftigst verletzt, dann war erst mal Schluss."

Aber wie bei allen suchtmachenden Stoffen, man kann einfach nicht davon lassen. Irgendwann nach Monaten intensivster Arbeit, stellte sich die Frage: Wie kann ich das Dargebotene fotografisch festhalten?

Ein 3D-Objekt auf Zweidimensionalität zu schrumpfen, so dass es dreidimensional aussieht. Ueltzhoeffer:"Ein knappes Jahr habe ich damit zugebracht, alle fototechnischen Varianten, die mein enges Budget zuliessen auszutesten. Mit Hilfe eines Nachtsichtgerätes und einer Mischung aus analoger und digitaler Fotografie war es möglich, halbwegs brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Man kann allerdings davon ausgehen, dass keine Reproduktionsvariante der originalen Anmutung ganz nahe kommt. Ein leichter Rotstich und eine sehr grosse Leuchtkraft zeichnen das Hologramm aus. Die Variante mit Hilfe eines Infrarotfilters zeigt zwar die besten Ergebnisse, ist jedoch vom Original weiter entfernt als die der analogen Reproduktion mit Nachtsichtgerät, zeigt aber deulich mehr Raum was mir auch enorm wichtig ist. Je mehr man digital nachbereitet, desto fragwürdiger das Ergebnis.

 

Lichtarchitektur - Raumabhängige Lichtobjekte

Unter Lichtarchitektur versteht man eine durch Licht - Reflektion bzw. Projektion im Raum eingebettete architektonische Objektform, die in Abhängigkeit mit den örtlichen Begebenheiten eine konstruktive Symbiose eingeht. Eine Gesamtheitliche Architektur die überwiegend auf Licht aufbaut. Ralph-Ueltzhöffer arbeitet teilweise mit einer ganz spezifischen Form der Lichtarchitektur, dem Hologramm. Das Hologramm, durch seine Dreidimmensionalität stark raumabhängig und mit grossem Aufwand zu simulieren, ist in der Lage gesamtheitlich sich fast völlig zu entmaterialisieren und somit jedem erdenklichen Raum anzupassen. Licht breitet sich oft anders aus als man denkt und ist von dem her in der Praxis weniger berechenbar als in der Theorie! Also, eine raumabhängige und gleichzeitig unabhängige Verhaltensform.

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Textportraits von Ralph Ueltzhöffer
Ralph Ueltzhöffer "Textportraits"
 
Ralph Ueltzhöffer
Cabinet Gallery London
 
 
       
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Bahnhof Zug - James Turrell

Die Lichtinstallation des Künstlers James Turrell verwandelt mit Einbruch der Dämmerung das imposante Bahnhofgebäude in ein schwebendes Leuchtobjekt. Und das allein mit den drei Farben rot, blau und grün und den sich daraus ergebenden Schattierungen während ihrer fliessenden Bewegungen.

Diese intensiven Lichtstimmungen verführen zum Sehen, fordern die Aufmerksamkeit der Passanten und Betrachtenden. Veränderungen des Tageslichts von der Dämmerung zur Nacht begleiten diesen Prozess und schaffen einen Ort, der nicht mehr statisch verharrt, sondern wechselnde, intensive Szenarien entfaltet. Und am Ende der alltäglichen Verkehrshektik verwandelt sich die Bahnhofhalle zum stillen Lichtraum, zum leuchtenden Volumen, das in die nächtliche Stadt hinaus strahlt.

Die Lichtfarben werden durch separat ansteuerbare rot, grün und blau befilterte Fluoreszensröhren erzeugt. Sie sind so platziert, dass die vorgehängte Storenfläche der Aussenfassade, die sandgestrahlte gläserne Brüstung in den Hallen-Obergeschossen, die Storen der Innenfassade und das Glasdach zu Lichtflächen werden.

Die Lichtkunst im Bahnhof Zug kann täglich ab Dämmerungsbeginn bis 23:00 Uhr bewundert werden. In der kalten Jahreszeit bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kann es zu Einschränkungen im Betrieb der Lichtkunst kommen.

 

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