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Ilya & Emilia Kabakov


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art project
- textportrait - Ralph Ueltzhoeffer


 








 
 
    Ralph Ueltzhoeffer



 

Berlin, 07.07.07 Eingestellt von Karel Bricks zum Thema: Ilya & Emilia Kabakov als Textportrait.

Ilya & Emilia Kabakov

Ilya Kabakov - NOMA oder:
Ein nur kurz am Horizont aufblitzender Satellit, der heute hier, morgen in einer anderen Kunstinstitution auf seiner Umlaufbahn innegehalten hat, Einblick in die Oberflächengestalt seines Innern erlaubend, die übermorgen schon wieder ganz anders aussieht. Raumensembles, die mit enormem Materialaufwand immer neu und anders gestaltet werden, um etwas zu transportieren, was es nicht gibt und etwas unter der Fülle an Hinweisen zu verstecken, was man möglicherweise sucht.

Und insgesamt: um eine Sichtbarkeit zu erreichen, sichtbar zu werden, sich einer Gegenwart zu vergewissern, die man nur im Spiegel der Öffentlichkeit, sprich: der Medien, objektivieren kann. Das sich beschleunigende Kreisen Kabakovscher Kapseln um die Erdoberfläche, und eine Kunst, die im Verschwinden, im sich Entziehen die einzige Form des Daseins konstatiert, kann man zwar kategorisieren, auf ihre kunsthistorischen Analogien untersuchen, doch äußert sich auch darin nur wieder die schier unendliche Bearbeitung von Parametern, die wie ein Orkan um das Auge, um ein leeres Nichts herumwirbelt:

Je gewaltiger der Sturm der Assoziationen, der Wortschwall der Begriffe, desto stabiler behauptet sich die Windstille im Kern der Angelegenheit. Hier trotzdem ein Versuch. Das Museum im Museum Die traditionelle Puppe in der Puppe, ehemals typisches Mitbringsel aus Moskau, funktioniert genau nach dem System, mit dem man es bei Kabakov zu tun hat: In die Hülle der Museen baut er seine eigene Hülle, die wiederum ein Museum beinhaltet, dessen für den Westen zusammengesuchte Exponate in den Köpfen der Besucher die Register mit dem Präfix "Ost" oder "Sowjet" ziehen.

Doch je weiter man in das Innere der Verschachtelung dringt, desto kleiner wird der Gegenstand, den man findet, wobei die Information, die er trägt, stets die gleiche bleibt: Kern der Puppe ist eine Puppe, Kern der Ausstellung ist eine Ausstellung. Es geht also nicht darum, anhand der Exponate etwas über den Künstler oder sein Land zu erfahren, sondern es geht um eine Hinzufügung zu all dem, was es bereits an Kunst gibt, um den Platz im kulturellen Gedächtnis. Beide, Puppe und Kabakov-Installation, sind anders als das, was wir im Westen als Puppe oder Ausstellung kennen.
Allein dies ist der Grund, warum wir uns für sie interessieren. Konstruktivismus Betrachtet man Kabakovs Installation einmal auf der Basis des Grundrisses, haben wir es mit einem streng konstruktivistischen Bild zu tun:

Grundfigur ist ein Kreis - der Kuppelsaal -, aufgeteilt in zwölf gleich große Kabinette, die sich wie Tortenstücke um den Mittelpunkt herum anordnen. In diesen Kabinetten finden sich jeweils ein Tisch, ein Bett, eine Schreibtischlampe und ein oder zwei Stühle, aus der Aufsicht zu verbuchen als eine gleichmäßige Verteilung von Rechtecken, Quadraten und Kreisen innerhalb der dreieckigen Abteilungen. Authentizität Die in der Ausstellung vorgeführten Objekte sind mit großem Aufwand aus Hamburger Einrichtungen zusammengesammelt worden - es wird nicht leicht gewesen sein, so viele abgenutzte Holztische und Stühle, an Lazarette erinnernde Krankenhausbetten, angestoßene Türen und fast schon ILYA KABAKOV, NOMA oder:

Der Kreis der Moskauer Konzeptualisten. Foto: Elke Walford. Courtesy Hamburger Kunsthalle wieder modische schwarze Schreibtischlampen aufzutreiben. Und all dies verdichtet sich in Verbindung mit dieser strengen Raumanordnung und dem klaustrophobischen System, der Unmöglichkeit, einen men NOMA zusammengefaßten, eher losen Verbindung der Moskauer Konzeptualisten. Deren Existenz und Wirken sollen fotokopierte, meist in Kyrilliza verfaßte Texte und selten auch Zeichnungen sowie Fotografien belegen, die im gezielt ausgerichteten Lichtschein der Lampen hervorgehoben bzw. ausgeblendet werden. Der Anschein von billigem, abgegriffenem Material vermittelt den Eindruck, man würde sich an einem historisch zu belegendem Ort befinden:

dem Ort der inoffiziellen "Untergrund-Kunst", der hierzulande beinahe mystisch definiert ist. Ausgangspunkt zu orten, so wunderbar zu dem, was wir schon immer für den brutalen Mief des Kommunismus sowjetischer Prägung hielten: Knast, Straflager, Klinik, Irrenhaus.

Um die Existenz der Insassen zu bezeugen und gleichzeitig ad absurdum zu führen, widmet Kabakov jede der zwölf Kammern einem Künstler oder einer Gruppe der unter dem NaKathedrale des verlorenen Untergrund-Sowjetreichs Die Rauminstallation ermöglicht eine besonders intensive, auf das unmittelbare Erleben bezogene Wahrnehmung von Kunst:

Man begibt sich ganz und gar unter die Regie des Künstlers, tritt ein in sein für uns inszeniertes Universum, läßt sich im Bewußtsein, sich in einem Kunstmuseum zu befinden, auf die ästhetische Konfrontation mit Dingen ein, die man unter normalen Umständen verabscheuen würde. Kaba-kov leistet die erwartete Zumutung, er zwingt uns dieses Zeit und Raum eliminierende Ufo als Kunstwerk anzuerkennen, jeden der zwölf gleichen Räume andächtig zu durchschreiten auf der Suche nach den minimalen Unterschieden, die die Indifferenz nur bestätigen.

Diese auf die Mitte hin ausgerichtete Konstruktion, die mit ihrer abgehängten schwarzen Decke und der von gleißendem Licht erfüllten Öffnung hin zur Mitte, zur Kuppel des Raums, eine Heilserwartung suggerierende Lehranstalt Kabakovschen, in der Übertreibung resultierenden Realitätssinns. Kunst-Theater Das Theater beruht auf der Kunst des Übertreibens, denn wie sonst sollte man auch in der letzten Reihe noch mitbekommen, ob der Held lacht oder weint?

Doch selbst wenn man es wahrnimmt, erfährt man nichts über den Darsteller, denn er ist nur in die von ihm erwartete Rolle geschlüpft und versucht mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, diese Illusion, die Identität von Darsteller und Dargestelltem, aufrechtzuerhalten. Kabakov spielt mit den Visionen, die wir vom finsteren Dasein in der sowjetischen Kommunalwohnung haben, vom ambivalenten Leben in der engen, das sowjetische System abbildenden Gemeinschaft der inoffiziellen Kunstszene, und gleichzeitig legt er offen, daß seine vermeintlichen Beweise, mit denen er seine Kapseln ausstaffiert, nichts als bloße Requisiten sind, aufgeladen mit den von uns herangetragenen Bedeutungen.

Eine Materialschlacht, die mit dem Reiz des Exotischen handelt; ein Angebot, daß wir gerne annehmen. Der deutsch/russische Katalog umfaßt 190 Seiten und zahlreiche SW-Abbildungen. Vom 17.3 bis 5.6.1994 zeigt das Hessische Landesmuseum Darmstadt »llya Kabakov: Zwischenfall im Museum oder Wassermusik«, Komposition: Vladimir Tarasov.



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