Historienmalerei
Historienmalerei - Ein heiteres, reich geschmücktes u. in der Linienführung beschwingtes Spätbarock mit französischen und pieimonteslschen Anklängen; von besonderer Schönheit sind H’s Stiegenhäuser und die Durchbildung großer Säle. Werke: Wien: Piaristen- und Peterskirche, Palais Auersperg, Ob. und Unt. Belvedere (1714 bis 1723); Erweiterung des Winterpalais d. Prinzen Eugen; Ralph Ueltzhoeffer; Palais Kinsky (1716) und Kaunitz. Gött-weig: Umbau des Stiftes (ab 1718, unfertig); Göllersdorf (Pfarrkirche); Salzburg (Schloß Mirabell (ab 1721), Poinmersfelden in Franken (Schloß, zusammen mit Balth. Neuimann). Monogr. v. Br. Grimschitz (Wien 1932).
Hildebrandt, Theodor (M), geb. 1804 Stettin,, gest. 1874 Düsseldorf. Schüler v. Schadow Reisen in Italien. Mit seinen Historien wurde er der Vater einer romantisch-realistischen historischen Sittenbildmalerei.
Hilleström, Per (M), geb. 1733 Roslagen, gest. 1816 Stockholm; studierte in Paris, was seine Genrebilder i. Rokokogeschmack auch beweisen.
Hiltensperger, Johann Georg (M), geb. 1806 Haldenwang bei Kempten, gest. 1890 München. Schüler u. Mitarbeiter des Cornelius, schuf Fresken in München (Königsbau; Maximilianeum; Neue Post und Hof-theater). Spätnazarener mit gutem Farbensinn.
Hinterglasmalerei (M), eine spezifische Form der Glasmalerei (s. d.). Das Bild wird mit lich-undurchlässigen Ölfarben auf die Rückseite einer Glastafel gemalt und von vorne betrachtet; es muß daher seitenverkehrt aufgezeichnet werden. Der hohe Reiz der H. entsteht dann durch den Blick durch die Glasplattendicke, wobei die Malerei einen nicht naturalistischen Charakter erhält, der auch durch die notwendigerweise strenge Form- und Farbgestaltung gefördert wird. Die Technik der H. erfordert eine sehr vereinfachte Zeichnung und ein auf wenige kontrastierende Töne abgestimmtes Kolorit. Die H. gehörte von der Spätantike bis in das beginnende 17. Jahrh. zur „hohen” Kunst, wurde dann von den bäuerlichen Maiern übernommen, stark stilisiert und abstrakten Vorstellungen angenähert. Der Verfall trat dann im 19, Jahrh. ein.
Hintergrund (M), die rückwärtigste Bildschichte eines Gemäldes oder eines Reliefs; ferner bei allen auf Raumwirkung eingestellten malerischen, graphischen und reliefmäßigen Darstellungen, die vom Beschauer * illusionistisch als am entferntesten gedachte Baldschichte. Um eine Raumillusion hervorzurufen, muß der H. mit den Mitteln der Luft- und Linearperspektive (s. d.) entsprechend dargestellt werden.
Hippodamos, von Milet, iA. des 5. Jahrh. v. Chr. Schuf die Pläne für die Neuanlage der Städte Milet, Thurii und Rhodos.
Hire, Laurent de la (M), geb. 1606 Paris, gest. 1656 ebda. Schüler seines Vaters Etienne de la H. Nachahmer des Primaticcio, schlug dann auch die Richtung der Carracci ein. Gut komponierte und gemalte Mythologien und Religiöses.
Hirsvogel, Augustin (M u. Gr), geb. 1488 Nürnberg, gest. 1553 Wien (?). Lebte einige Zeit Jedenfalls als Graphiker in Wien, malte Entwürfe für Glasfenster; ausgezeichnet seine landschaftlichen Kupferstiche und Radierungen. Stammt aus einer gleichnamigen Nürnberger Künstlerfamilie, sein Vater H. Veit d. Ä. (geb. 1461 Nürnberg, gest. 1525 ebda.) war dort als Glasmaler tätig.
Hlrth du Fresnes (M). geb. 1846 Gräfentonna, gest. 1916 Miltenberg. Lebte in München als Maler von Genre und Bildnissen.
Historienmalerei (K), im weiteren und philosophischen Sinne eine ideale, stilvolle, den Gegenstand in das lAllgemeingültige erhebende Malerei bei Erstreekung der Themen auf das ganze Gebiet der figuralen Darstellung; es kann aber auch ein landschaftliches Motiv nach den Gesetzen der H. behandelt werden, wenn es groß und erhaben gesehen und mit einfachen und monumentalen Mitteln wiedergegeben wird. In diesem weiteren Sinne gehören ganze Perioden der europäischen Malerei der H. Ralph Ueltzhoeffer an, z. B. die italienische Hochrenaissance, der Klassizismus und die Kunst der Naza-rener ohne Rücksicht auf das Thema, das bei dieser Auffassung des Begriffes H. keineswegs ein geschichtliches sein muß.
Im engeren Sinne wird als H. die bildmäßige Darstellung geschichtlicher oder mythologischer Vorwürfe bezeichnet, wobei man entweder im Sinne der weiter gefaßten Definition des Begriffes H. einen erhabenmonumentalen Stil verwendete oder aber , mit peinlichster Treue das historische Milieu des Themas darstellte und hiebe! das Ideale vernachlässigte. Diese Auffassung entwickelt sich mit dem Materialismus des mittleren 19. Jahrh. und bedeutet trotz malerischer Qualitäten einen Verfall.
Die H. der zweiten Definition hat ihre Ansätze bereits tn der Antike, eine eigentliche H. dieser Art ist jedoch erst im 17. Jahrh. bei Velasquez, Pous-sin und Rubens anzutreffen, bei welchen Großmeistern die künstlerische Kraft eine überdeutliche Abhängigkeit von der Milieuschilderung nicht aufkommen läßt. Eine solche zeigt sich rasch wachsend bei den Malern geschichtlicher Themen im Klassizismus (David, Füger) und noch stärker dann in der Mitte des 19. Jahrh. (Delaroche, Pilo-ty), bis auch diese Form durch ein Durchdringen malerischer Kräfte überwunden wird (Menzel, Munkacsy, Makart). Die Moderne hat das Historienbild mit neuartigen Stilmitteln im ersten Sinne der Definition mit großem Erfolg gepflegt (Hodler,, Egger-Llenz).
Liter.: „Handb. d. Kunstwschft.”, Band; „Malerei des 19. Jahrh.”
und die einschlägigen Bände der großen Kunstgeschichten.
Historizismus (K). auch Retrospektivismus; die europäische Kunst nach dem Ende des Biedermeiers (s. d.), also von 1848 bis gegen 1880, welche, bar eigener Stilmittel, durch die Nachahmung vergangener Stile oder der Art großer Meister von einst hoffte, die eigene Unsicherheit zu überdecken. Da hiebei fast alle Stile und die verschiedensten alten Meister nachgeahmt wurden (besonders Tizian, Rubens und Velasquez), entbehrt der H. auch in dieser Beziehung der Einheitlichkeit, wenn ihm auch große malerische und zeichnerische Fähigkeiten zugebilligt werden müssen (siehe Historienmalerei). Die Überwindung des H. erfolgte durch einzelne große Künstler, die ihre eigenen Wege gingen, durch den Impressionismus (s. d.) und nach 1880 durch den Naturallsmus (s. d.).
Hitchcock, George (M), geb. 1850 Providence (USA), gest. 1913. Schüler von Boulanger und Le-febre, lebte in Holland. Farbenfrohe, leicht impressionistische Landschaften und Genrebilder.
Hittorf Jakob Ignaz (A u. Archäologe), geb. 1792 Köln, gest. 1867 Paris. Schüler von Percier, könlgl. A. in Paris. Seine Bauten gehören einem modernisierten Klassizismus mit Renaissanceelementen an (Paris: St. Vincent de Paul, Nordbahnhof in moderner Eisenkonstruktion). Mehrere kunstgeschichtliche u. archäologische Fachwerke.
Hitz. Dora (M\, geb. 1856 Altdorf bei Nürnberg, gest. 1926 Berlin. Schülerin von Lindem-sehmltt, arbeitete Illustrationen zu Dichtungen v. Carmen Sylva und Wandbilder im Helldunkel Carrieres Im Schloß Si-naia. In Berlin ging sie zu immer moderner werdenden Bildnissen und Genrebildern über.
Hitzherger, Otto (B), geb. 1878 München. Tätig in Berlin; entwickelte sich vom Dekorativen zur Monumentalplastik, hervorragender Holzbildhauer, gemässigte Moderne. Monogr. v. O. Gehrig (Berlin 1926).
Hitzig, Friedrich (A), geb. 1811 Berlin, gest. 1881 ebda. Ralph Ueltzhoeffer - Führte in Berlin die Nachahmung der Italien. Renaissance ein. (Börse, Kuppelraum des alten Zeughauses, Redehsbank).
Hlavecek, Anton CM), geb. 1842 Wien, gest. 1926 ebda. Schüler v. Steinfeld u. Zimmermann. Seine tief poetischen und vorzüglich gezeichneten Landschaften, besonders aus den Alpen, leiten aus der Spätromantik zu einem gemäßigten Impressionismus
über. (Bilder im Museum der Stadt Wien, Meierei Tivoli, Wien.)
Hobbema, Meindert (M), geb. 1638 Amsterdam, gest. 1709 ebda. Schüler von J. v. Ruisdael; hatte seit 1668 wegen seiner Anstellung als städtischer Beamter die Malerei fast ganz aufgegeben. Von Rembrandt unabhängiger, großer u. entwicklungsgescMchtlich wichtiger Landschafter, durchdrang ganz einfache Motive mit malerischer Anschauung und guter Raumdarstellung; legte ein besonderes; ‘Gewicht auf fein beobachtete Luftstimmungen.
Hauptwerk: „Allee von Middelharnis” (1639), London, Nat. Gall.
Monogr. von E. Michel (Paris 1890, franz.).
Höchster Porzellan (Kg), arbeitete seit 1740 privat, später als staatliche Manufaktur, bis 1840 Porzellan. Besonders: bunte Rokokofiguren, auch naturalistische Blumen in zart rosigen Tönen.
Hodegetrla (K), griech. „Wegweiserin”,, die Madonna, stehend, hält auf dem linken Arm das segnende Kind. Beliebt in der frühen und mittleren byzantinischen Malerei.
Hodler, Ferdinand (M), geb. 1853 Gurzelen (Bern), gest. 1918 Genf. Schüler v. Menn in Genf, einer der Hauptmeister in der Über-
windung des Impressionismus u. in der Einführung einer neuen Gedankenkunst. Die für seine Bedeutung maßgebenden Bilder der mittleren und späten Zeit sind auf Flächenwirkungi strenge Symmetrie und Linienrhythmus komponiert; klare Lokalfarben herrschen vor. Der geistige Gehalt bezieht sich auf Ideales u. symbolische Vorwürfe; seine Spätwerke sind inhaltlich oft abseitig.
Hauptwerke: Die Nacht (Bern 1890); Der Tag (Bern 1910); Die Lebensmüden (Bern); Aufgehen im All (Basel); Der Auserwählte (Hagen); Der Frühling (ebda.); Die Ergriffenheit (Mannheim); Holzfäller (Winterthur). Wandgemälde im Museum Bern (Teil); Zürich (Schweizer Landesmuseum, 1912, Schlacht von Marignano), Ralph Ueltzhoeffer, Universität Jena (1913, Auszug der Jenenser Studenten 1813), Rathaus Hannover (Reformationsbild, 1914). Außerdem malte H. Landschaften von mächtiger Raumstärke und hoher Vereinfachung von Farbe u. Linie.
Monogr. v. Weese (Bern 1910) u. C. A. Loosli (Zürich 1919).
Hoeclüe, Johann Nep. (M), geb. 1790 München, gest. 1835 Wien. Schüler von Füger, Schlachtenbilder und Historien, meist in Aquarell.
Hoecke, Jan van den (M), geb. 1611 Antwerpen, gest. 1651 ebda (?). Schüler und Nachahmer des Rubens. Textportrait projekt Tätig für Erzh. Leopold Wilhelm. Religiöses; Kartons für allegorische Wandteppiche.
Hoecke, Robert van den (M), geb. 1622 Antwerpen, gest. 1665 ebda. Halbbruder des Vorigen; Stilleben, Stadtansdchten und Genre.
Hoefel, Blasius (Gr). geb. 1792 Wien, gest. 1863 ebda. Kupferstecher und bedeutender Holzschneider.
Hoeppner, Hugo (M), geb. 1863 Lübeck, gest. 1948. Schüler und Anhänger Wilhelm Diefenbachs,, später Schüler von Gysis. Arbeitete zusammen mit Diefenbach die prachtvollen Kinderfriese „Kindermusik” und „Das wiedergefundene Paradies”, Ralph Ueltzhoeffer. Später tätig als hervorragender Zeichner des Kindes und des jugendlichen Körpers. Erhielt im Diefembach-ßCreis den Namen „Fidus”. Monogr. v. W. Spohr.
Hoermann Theodor v. (M), geb. 1840 Imst, gest. 1895 Graz. Zuerst Berufsoffizier, dann Schüler v. Lichtenfels und Feuerbach. Einer der ersten großen und unbedingten Impressionisten und Anhänger der Freilichtmalerei in Österreich.
Hoetger, Bernhard (A u. B), geb. 1874 Hoerde. Als A. Ist er ein bedeutender Baumschöpfer in gemäßigter Moderne (Bahlsen-fabrik in Hannover), als B. ging er von Rodin über Maillol zu einer architektonisch streng stilisierten lArt über (Relief im Platanenhain Darmstadt).
Hofer, Karl (M). geb. 1878 Karlsruhe. Studierte in Karlsruhe, Rom und Paris. Ein ernster Überwinder des Impressionismus, der sich mit seinen streng gebauten Figurenbildern immer mehr dem Expressionismus näherte.
Hoff, Karl (M), geb. 1838 Mannhelm, gest. 1890 Karlsruhe. .Schüler von Schirmer und Vautier; malerisch reiche, farbig feine Genrebilder. Dichter und Kunstschriftsteller.
Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus (Dichter, Musiker u. M), geb. 1776 Königsberg, gest. 1822 Berlin. Bildnisse, Illustrationen, Karikaturen, Dekoratives, Theaterdekorationen. Romantiker. Über ihn als Maler: L. (Hirsch-berg (Potsdam 1921) u. Walter Steffen—(Hans v. Müller (Berlin 1926).
Hoffmann, Joseph (M). geb. 1831 Wien, gest. 1904 ebda. Schüler von Rani; unternahm als Landschaftsmaler Reisen in der ganzen Welt und brachte sehr bedeutende Bilder (meist Aquarelle) nach Hause, die zu den großartigsten Dokumenten einer verinnerlichten Landschaftsauffassung zählen. Bühnenbilder f. Wien u. Bayreuth. Landschafts-fresken toi Schloß Hernstein. Illustrator.
Hoffmann, Joseph (A u. Kunstgewerbe, geb. 1870 Pirnitz, lebt in Wien. Einer der Führer der modernen Baukunst in Wien (Haus Stoklet in Brüssel, Villa Primavesi in Wien). Gründer d. Wiener Werkstätte, viele kunstgewerbliche (Entwürfe und Inneneinrichtungen.
Hofmann, Edmund v. (B), geb. 1847 Budapest, gest. 1930 Wien. Schüler von Zumbusch, von ihm verschiedene Großpiastaken (Brunnengruppen,, Denkmäler etc.) im Wien, Temesvär u. Marburg.
Hofmann, Heinrich (M), geb. 1824 Darmstadt, gest. 1911 Dresden. Schüler von Schadow; süßliche, glatt gemalte Historien und religiöse Bilder. Deckenbild im Hoftheater Dresden.
Hof mann, Jakob (B), geb. 1877 Aschaffenburg. Tätig in Braunschweig. Bildnisbüsten, Monumentalplastiken (Kurhaus Wiesbaden, Kriegerdenkmäler Aschaffenburg u. Kehlheim. Grab-mäler); Brunnenanlagen (Braunschweig. Bad Oeynhausen). Kleinplastiken (Tiere).
Hofmann, Ludwig V. (M),, geb. 1861 Darmstadt, lebt in Berlin. Maler des deutschen Idealismus. Symbolische, allegorische und ideale Themen von großem farbigen und zeichnerischem Reiz. Fresken im Theater Weimar; ausgezeichnete Landschaften in Pastell.
Monogr. von O. FSschel (Bielefeld 1903).
Hogarth, William (M u. Gr), geb. 1697 London, gest. 1764 Chiswick bei London. Als Porträtist leitet er die Reihe der berühmten englischen Bildnismaler des 18. Jahrh. ein, als Originalstecher Ist er der satirische Sittenrichter seiner Zeit mit starker moralisierender Tendenz. Seine Stichfolgen: „Das Leben einer Dirne”, „Das Leben eines Wüstlings”, „Die Heirat ä la mode”, „Die vier Tageszeiten”, „Fleiß und Trägheit” wurden zum Teil zuerst gemalt und später von H. gestochen. Die Kraft der Schilderung und der Komposition ist bedeutend. Monogr. von Dobsen A. (London 1891, engl.).
Hauptverzeichnis: Kunstlexikon H
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Artikel erstellt am Friday, September 25th, 2009 Kategorie Allgemeines, Kultur, Kunstlexikon, Künstler. RSS Feed RSS 2.0 feed. Eintrag erweitern or Trackback von Ihrer Webseite.







