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Kunst / Kunstbuch / Kunstband / Bücher / Lexikon
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Aquatinta (Gr„ siehe Radierung), eine Abart der Radierung und meist in Verbindung mit der Linienradierung angewendet. Auf die blankgeputzte Platte (die auch bereits eine geätzte Zeichnung tragen kann) wird im sogenannten Staubkasten eine gleichmäßige Schichte von Kolophonium, Asphalt- oder Harzpulver in der Form eines staubartigen Belages aufgetragen. Durch mäßiges Erwärmen werden nun die einzelnen Staubkörner auf die Kupferplatte geschmolzen; doch dürfen sie nie zusammenschmelzen, sondern es muß stets zwischen den Körnern Abstand bleiben. Bei dem nun erfolgenden Einlegen der Platte in die Ätzflüssigkeit greift diese die Platte in den Zwischenräumen der Körner an, wodurch beim Druck eine Art Ton entsteht.
Durch partienweises Abdecken hat man nunmehr während des Ätzvorganges die Möglichkeit, diese Töne in verschiedener Stärke zu ätzen, was beim Druck den Charakter einer Tuschmalerei ergibt. Die Kombination mit der Strichradierung ist jedoch zu empfehlen, um der fertigen Platte ein zeichnerisches Gerüst zu geben. Eine Variante ist die Sandpapier-A. Auf einen gewöhnlichen Ätzgrund (siehe Radierung) wird Sandpapier gelegt und hierauf die Platte mehrmals durch die Kupferdruckpresse gezogen. Der Grund wird nun durchlöchert
erscheinen und bei der folgenden Ätzung ergibt sich ein sehr gut brauchbarer Ton tief geätzter Punkte, die auch mit dem Polierstahl schabblattartig behandelt werden können. Die A. mit dem aufgeschmolzenen Korn wurde zum erstenmal gegen 1760 in Frankreich verwendet; die Sandpapier-A. dürfte durch Whistler um 1870 eingeführt worden sein.
Arabeske (Kg),, ein meist für Flächenfüllungen verwendetes Ornament, aus zwar stilisierten, aber im Grunde doch naturalistischen pflanzlichen Ranken bestehend. Trotz des Namens entstand die A. nicht in der islamitischen Kunst, sondern im Rom der frühen Kaiserzelt, und wurde durch die Frührenaissance in Italien zu neuer und großer Bedeutung gebracht. In der deutschen Renaissance erfolgte die Verbreitung der A. hauptsächlich durch die Ornamentstecher (s. d.).
Area, Niccolo dell' (B), gest. 1494 Bologna, Schüler des Jacopo della Quercäa, sein Hauptwerk die Area dl San Domenico (Bologna), wofür der junge Michelangelo 2 leuchtertragende Engel schuf. Frührenalssance. Monogr. v. C. v. Fabriczy (Berlin 1898).
Archaismus (K),
a) die Frühstufe jedes Stiles, also die Zeit des Tastens und der Ungeklärtheit,
b) die Frühstufe der griechischen Antike (s. d.) bis ungefähr 500 v. Chr.
Kennzeichen sind: Herbe Größe, Ernrt, die Merkmale der klassischen Zeit im Keim zeigend, geringe Naturnähe.
Archaistisch (K),, die bewußte Nachahmung der Eigenschaften des Archaismus (s. d.). Stil-unsichere Zeiten versuchen oft Ihre innere Schwäche durch eine nur scheinbare Herbheit und Primitivität zu überdecken.
Architektur (K), bis gegen 1800 die allgemein gültige Bezeichnung für jede Baukunst, jetzt die begriffliche Unterscheidung der Hoehbaukunst vom Ingenieurbau (Tiefbau, Brücken, Kraftanlagen).
Archipenko, Alexander (B), geb. 1887 Kiew, lebt in Paris. Begründer der kublstischen Plastik.
Architekturmalerei (M), die malerische Darstellung repräsentativer Bauten und Innenräume, wobei die figurale Staffage als Milieuschilderung und als Grös-senmaßstab verwendet wird. Die A. arbeitet entweder um ein architektonisches Objekt um seiner selbst oder um seiner malerischen Schönheit halber darzustellen. Daher ist eine Abtrennung gegen die Landschaftsmalerei nicht immer scharf möglieh. Unterteilungen der A. sind: Reale Bauten, Phantasiebauten, Außenansichten, Innenräume,
profane oder sakrale Bauten, Bauten für sich oder in Verbindung mit der Nachbarschaft (Straßenbild, Stadtansichten). Der Beginn der A. liegt in der niederländischen Buchmalerei des frühen 15. Jahrh., die Blütezeit erfolgte in Holland zwischen 1630 bis 1700; eine etwas spätere Nachblüte oft mit Abstimmung auf antike Objekte in Italien. In der Moderne ist die A. nur wenig vertreten. Eine Abart der A. ist die A.-Graphik. Mit ihrer Hilfe haben die Architekten entweder ihre eigenen Bauten bildlich festgehalten oder Planungen, bzw. Phantasieobjekte dargestellt. (Behebt im Barock.)
Architekturmodell (A), die dreidimensionale Projektierung eines Baues in der Form eines maßstäblich richtigen kleinen Modelies aus Holz, Gips oder Stein. Ferner wird das A. außer seiner wichtigsten Verwendung als Entwurfsmodell auch als Modell nach gebauten Architekturen, dann als Kontrollmodell, als Erinnerungsmodell an zum Abbruch bestimmte Bauten und als Idealmodell gebraucht. Eine weitere Abart ist das Stadt-modell als Behelf der Städte-baukunst.
A. sind bereits in der Frühantike und in Ägypten nachweisbar, im Mittelalter sind sie fast abgekommen, jedoch die Renaissance und das Barock haben sie zu neuer Bedeutung gebracht. Dies gilt in erster Linie für Italien, weniger für Frankreich und in noch geringerem Maß für Deutschland.
Architekturplastik, siehe Bauplastik.
Architekturtheorie (K), schriftstellerische Arbeiten zum Zwecke der lehrhaften Festlegung der praktischen, theoretischen und ästhetischen Ziele und Forderungen der Architektur, bzw. Anweisungen für die jeweilig aktuellen Aufgaben der Architektur. Der Umfang der A. ist demnach ein sehr großer, denn schließlich gehören auch Lehrbücher der Baupraxis dazu. Die Grundlage der A. sind die 10 Bücher des Vitruvs (Anfang des l. Jahrh. n. Chr.) „De Ar-chitectura". Während das Mittelalter sich der A. gegenüber meist ablehnend verhielt, blüht sie in Italien im 15. Jahrh. zu ungeahnter Höhe und Bedeutung auf und ist bis zum Einsetzen des Hochbarocks die Grundlage des architektonischen Arbeitens. Die A. des 15. und 16. Jahrh. steht in Verbindung mit dem ganzen künstlerischen Schaffen, während später eine Konzentrierung auf das eigentliche Thema stattfindet. Die A. ist auch deshalb wichtig, weil sie in den Abbildungen Bauten zeigt, die zwar nur geplant waren, aber dennoch über die Kunstziele einer bestimmten Zeit Aufschluß geben.
Architekturzeichnung (K),, die freie zeichnerische oder geometrisch konstruierte Darstellung geplanter oder vorhandener Architekturen. Technik und Darstellungsform richten sich hiebe; nach dem jeweiligen Zweck. Die A. ist nie graphisch-künstlerischer Selbstzweck, sondern die Grundlage für die Bauausführung oder die Erkenntnis eines Baues. Darüber hinaus hilft die A-, die künstlerische Auffassung des Architekten zu zeigen. Im weiteren Sinne gehören zur A. auch Aufnahme-Skizzen und Architekturveduten. Der Hauptzweck der A. ist der Entwurf, sei es als Vorentwurf in noch skizzenhafter Form, sei es als konkreter Entwurf für die Ausführung des Baues oder als Werkzeichnung für die Details. Zur A. gehören ferner planmäßige Darstellungen bestehender Bauten (einschließlich der Reiseskizzen der Architekten), theoretische Studien und Idealentwürfe. Aus der Antike haben sich keine A. erhalten. Die älteste vorhandene A. ist der Bauplan des Klosters St. Gallen in der Schweiz von ungefähr 816. Arten der A.: Grundriß, Aufriß, perspektivische Ansicht, Architekturskizze.
Architrav (A), der über die Säulen- und Pfeilerkapitelle waagrecht gelegte Balken aus Stein oder Holz. Der (A. ist ein Teil des Gebälkes (s. d.) und vermittelt dessen Last auf die Stützen. Der A. nimmt an den Stilmerkmalen deutlichen Anteil
Archivolt (A), die profilierte oder dekorierte Vorderseite eines Bogens und dessen Leibung. Der A. entstand in der hellenistischen Baukunst und fand seine schönste Verwendung in den Leibungen romanischer und gotischer Portale.
Ardemans, Teodoro (A u. M), geb. 1664 Madrid, gest. 1726 ebda. Schüler von Cl. Coello. Dombaumeister in Granada, später Architekt der Stadt Madrid. Ingenieurbauten, Gemälde fehlen.
Arena (A), der eigentliche Kampfplatz im Inneren eines Amphitheaters (s. d.). Im übertragenen Sinne wird die Bezeichnung A. für alle ähnlichen Zwecken dienenden Bauten verwendet.
Aretino, SPinello (M), geb. um 1340 Arezzö (?), gest. 1410, Fresken in Pisa (Campo santo) und Siena (Palazzo pubbl.). Meister der ausklingenden toscanischen Gotik Schüler des Agnolo Gaddi.
Arkade, Arkatur (A)., offener Bogen, bzw. Reihung offener Bögen, die auf Säulen oder Pfeilern aufruhen. Die A. kann rund-, spitz- oder hufeisenbogenförmig sein. Liegt die A. auf einer Wand auf, so nennt man sie dann Blendarkade. Die A. entstand im hellenistischen Orient, wurde von den Römern ausgebildet und ist seither ein wichtiges und reich verändertes bauliches Motiv aller Epochen.
Arkosol (A), in der Spätantike und in der Katakombenkunst (s. d.) trogartig in die Wand (Fels) gehauene Wandgräber, die oben rundbogig sind und nach außen mit einer platte verschlossen werden können. Das A. der Katakomben ist oft mit wichtigen aussagenden und sinnbildlichen Malereien versehen. Das „Heilige Grab" des katholischen Kultes ist eine Weiterführung des frühchristlichen A.
Armenbibel (K), biblia pauperum, das eigentliche Erbauungsbuch des hohen Mittelalters, enthaltend reich illustrierte Darstellungen des Lebens Christi mit Gegenüberstellungen aus dem Alten Testament. Der ursprüngliche Name war Biblia picta, gemalte Bibel. Erst nach dem Aufkommen des Blockbuches wird die Bezeichnung B. p. gebräuchlich und deutet auf die Billigkeit dieser Bücher hin, die den Ankauf auch durch Minderbemittelte (Arme) ermöglichte. Die ältesten erhaltenen Beispiele von A. stammen aus dem frühen 14. Jahrhundert. In dieser Zeit kommen sie auch ohne Bilder vor. Um 1450 erscheinen die A. in der Form des Blockbuches (s. d.) und bald darauf im Buchdruck.
Die Sprache der A. ist deutsch, lateinisch oder deutsch-lateinisch.
Armleuchter (Kg), Standleuchter mit mehreren (mindestens 2) kerzentragenden Armen. Material: Bronze, Messing, Kupfer, Eisen, selten Porzellan. Beim A. liegen die Arme in einer Ebene, während bei dem sonst ahn liehen Kandelaber die Arme nach allen Seiten ausgehen. Der A. diente vorwiegend kirchliehen Zwecken, die schönsten Beispiele gehören der Romanik an.
Armitage, Edward (M), geb. 1817 London, gest. 1896 Tunbridge. Schüler von Delaroche in Paris. Historienbilder und Monumentalmalereien (Parlament London, kath. Kirche Islington, Rathaus Leeds). A. vertritt einen farbenkräftigen Idealismus.
Armreliquiar (Kg), ein Reliquienbehälter in der Form eines Armes, dient sinngemäß zur Aufbewahrung einer Arm- oder Handreliquie, welche durch ein Fensterchen sichtbar ist. Material: Holz oder über einem Holzkern vergoldetes Silber. Die ältesten Beispiele aus dem 11. Jahrh., die meisten und die reichsten aus der Gotik.
Arnolfo da Cambio CA u. B), geb. um 1232 Colle di Val d'Elsa, gest. 1311 Florenz. Plastische Hauptwerke: Grabmal Kardinal de Braye in Orvieto, Altartabernakel Rom (S. Paolo f. le mura), als Architekt tätig für den Neubau des Florentiner Doms und für Santa Croce. Der Anteil am Bargello steht nicht fest. Meister der mlttelitalien. Hochgotik. Monogr. von Val. Mariani (Roma 1943), ital.
Arp, Hans (B u. M), geb. 1888 Straßburg, gest. 1913. Entwik-kelte sich vom Expressionismus zum Dadaismus.
Arpino, Cavaliere d' (Giuseppe Cesari) (M), geb. 1580 Arpino, gest. 1640 Rom. Zahlreiche lebhaft bewegte Tafelbilder,, Dekorationen und Fresken (Rom, Konservatorenpalast, großer Saal). Meister des römischen Manierismus.
Arrazzi (Kg), Italienische Bezeichnung für die in Arras hergestellten Wirk- und Bildteppiche der Spätgotik und der Renaissance.
Ars moriendi (K), spätmittelalterliches Erbauungsbuch, schil-
dernd die Kämpfe des Himmels und der Hölle um die Seele des sterbenden Menschen. Den 5 Bildpaaren beigegeben ist zuerst ein lateinischer, später in der Landessprache abgefaßter erbaulicher Text. Die ältesten Beispiele erschienen bereits als Blockbücher (s. d.), außerdem kommen die A. M. auch vielfach als Kupferstichfolgen vor.
Artan, Louis Victor Antoine (M), geb. 1837 Den Haag, gest. 1890 ebda. Malte stimmungsvolle Marinen und holländische Landschaften.
Artaria, Mathias (M), geb. 1814 Mannheim, gest. 1885 Karlsruhe. Tätig in Düsseldorf, Tirol, Spanien, Genrebilder, Historien.
Artushof (A), die Sitze geselligritterlicher adeliger Vereinigungen in Nordostdeutschland zu Ehren des sagenhaften Königs Artus. Nachweisbar seit dem 14. Jahrh.
Asam, Cosmas Damian (M), geb. 1686 Benediiktbeuren, gest. 1739 Weltenberg. Hauptsächlich als Fresfeeramaler tätig, führender Meister des bayrischen Hochbarocks.
Hauptwerke (Fresken): Weingarten, Aldersbach, Sehleiß-heim, Innsbruck (St. Jacob), Freising, Einsiedeln, Mannheim (Schloß). Monogr. V. E. Hanfstaengl (1939).
Asam, Egid Quirin (B), geb. 1692 Tegernsee, gest. um 1750 München. Umfangreiche Tätigkeit als dekorativer Plastiker und als Stukkateur, der in Rom geschult wurde. Bruder des Vorigen.
Asper, Hans (M), geb. 1499 Zürich, gest. 1571 ebda. Malte Bildnisse in der Art des jüngeren Holbein, bekannt auch durch seine (verschwundenen) Fassadenmalereien.
Aspetti, Tizlano (B), geb. 1565 Padua, gest. 1607 Venedig, Schüler von Jac. Sansovino, seine Großplastiken ziemlich manieriert (Venedig: Zecea, S. Francesco della Vigna, Padua St. Antonio), besser seine Kleinbronzen.
Asphaltsteinzeichnung (Gr), Kreidelithographie in Schabmanier. Hiefür wird der präparierte lithographische Stein mit einer feinen und sehr gleichmäßigen Asphaltschichte überzogen, aus welcher mit Schabeisen, Drahtpinseln, Radiernadeln die Lichter der Zeichnung herausgeholt werden. An diesen Stellen nimmt dann der Stein nach dem Ätzen keine Druckfarbe an und druckt daher weiß. Das Ergebnis ist weich, tonig und malerisch. Die Technik wird relativ selten angewendet und ist seit ungefähr 1870 aufgekommen.
Asselyn, Jan, genannt Crabbetje (M), geb. 1610 Dieppe, gest. 1652 lAimsterdam. In seinen tonschönen Landschaften nähert er sich Claude Lorrain, den er in Rom kennen gelernt hatte. Später auch für die Delfter Fayence tätig. Romanisierende holländ. Barockmalerei.
Ast, Balthasar van der (M), geb. vor 1590 Middelburg, gest. nach 1656 Delft (?), wo er tätig war. Stilleben, bes. Blumen und Obst.
Astley, John (M), geb. um 1730 Wem, gest. 1787 Duckenfield. Bildnisse.
Astragal (A), reihenförmige und streifenartige Verzierung, bestehend aus aneinander gereihten kugeligen und längsovalen Perlen. Seit der griechischen Antike als Bauornament gebräuchlich.
Astrolabium (K), im 15. bis 17. Jahrh. das Universalmeßgerät für nautische, astronomische und astrologische Zwecke. Das A. wurde angeblich bereits in der griechischen Antike erfunden. Seine endgültige Form erhielt es durch die Araber, die es auch nach Europa brachten. Das A. besteht aus Metall, u. zw. aus einer Scheibe, die ausgehöhlt ist und Platz für verschiedene Landkarten und Meßskalen hat, und aus einem darauf zu legenden Netz mit der Darstellung des Tierkreises und der wichtigsten Sternbilder.
Astwerk (A), die späteste Form des gotischen Ornaments und aus laublos gedachten Ästen entwickelt. Es reicht in Deutschland bis in die Mitte des 16. Jahrh.
Atelier (K), Künstlerwerkstatt, heute auch für die räumlich große Werkstätte der Photographen und der Kunstgewerbler angewendet. A. sind sowohl in der Antike als auch in mittelalterlichen Klosterplänen bezeugt. Das A. der mittelalterlichen Architekten und Bildhauer ist mit der „Hütte" gleichzusetzen.
Atelierbild (M), das im Atelier (s. d.) entstandene Gemälde, im Gegensatz zu dem im Freien vor der Natur gearbeiteten Werk. Das A. erreicht selten die unmittelbare Frische der Arbeit im Freien. Während das A. bis gegen 1830 die alleinige Form der Bildgestaltung war, erwuchs ihm in der Freilichtmalerei (s. d.) eine scharfe, bis heute ungemil-dert wirksame Konkurrenz. Doch sind abgewogene, durchkomponierte und sorgsam ausgeführte Arbeiten nur in der Form des A. möglich.
Atlant (PI), selten auch Telamon genannt, ganz oder teilweise bekleidete, muskulöse, männliche Gestalten in Vollplastik als Träger eines Gebälkes an Stelle von Säule oder Pfeiler. Bei Verwendung weiblicher Figuren entsteht die Karyatide (s. d.). Obwohl das Motiv des A. seit der Spätantike durchläufig bekannt ist, wurde es erst im Barock stärker und meist sehr dekorativ wirksam verwendet, besonders bei Portalen.
Azeglio - Audran, Kupferstecherfamilie, die wichtigsten Mitglieder: Charles A., geb. 1594 Paris, gest. 1674 ebda. Reproduktionsgraphik. Claude A., geb. 1639 Lyon, gest. 1684 Paris, Maler, Mitarbeiter von Lehran. G e -rard A., geb. 1640 Lyon, gest. 1703 Paris. Schüler von Maratta, doch nur als Kupferstecher tätig. Seine Reproduktionsstiche nach Raffael, Tizian, den Car-raccl und Lebrun in sehr großen Formaten.
Auerbach, Johann Gottfried (M), geb. 1697 Mühlhausen i. Thür., gest. 1753 als Hofmaler in Wien. Relig. Bilder des Spätbarocks.
Aufriß (A), die zeichnerische Wiedergabe der Vorderseite eines Baues in orthogonaler Projektion auf eine vertikale Bildebene, wobei die Tiefendimension entweder durch Einzeichnen eines Schlagschattens verdeutlicht wird, der durch das Einfallen einer angenommenen Lichtquelle von links oben und unter einem Winkel von 45» gegen die Bildebene entsteht, oder durch zusätzliche Seitenansichten, durch Einblicke in das Innere, eventuell auch durch einen Grundriß (s. d.).
Aufsatzschrank (Kg),, Möbelstück, bestehend aus einem kastenartigen, geschlossenen Unterbau mit Türen und einem meist schmäleren und im Umriß bewegter gehaltenen Aufbau. Der A. entwickelte sich aus dem Stollenschrank (s. d.) der Spätgotik uid der Renaissance und wurde typisch für das Hochbarock.
Augenpunkt (K), siehe Perspektive.
Aula (A), der von Säulengängen vimgebene Innenhof des anttken Hauses, im übertragenen Sinne und im späteren Sprachgebrauch der Hauptraum eines vornehmen Gebäudes, besonders einer Lehranstalt.
Außenkanzel (A), eine an der Außenseite einer Kirche ange-
brachte Kanzel. Sie kann entweder schwalbennestartig an die Kirchenwand angesetzt sein oder unmittelbar neben ihr stehen (Freikanzel). Die erste Form ist entweder über eine Freitreppe oder aus einer Loggia zugänglich.
Der Hauptzweck der A. ist die Vornahme kirchlicher Funktionen, die im Freien stattfinden müssen. Zur Verlautbarung von Erlässen u. a. m. erhielten auch die mittelalterlichen Rathäuser oft A.
Avant la lettre (Gr), siehe Kupferstich.
Avanzi, Jacopo (M), aus Verona, um 1370, Schüler (?) und Mitarbeiter des Altichiero, beteiligt an dessen Fresken in Padua (Eremitani).
Avenarius« Tony (M>, geb. 1836 Bonn, gest. 1901 Köln. Schüler von Schwind, Genre, Bildnisse, Dekoratives, tätig auch als Komponist.
Avercamp, Hendrik van (M), geb. 1585 Amsterdam, gest. 1634 Kampen. Schüler des Gillis van Coninxloo, spezialisierte sich auf Winterlandschaften mit reicher Staffage.
Avont, Fieter van (M u. Gr), geb. 1600 Mecheln, gest. 1652 Deurne. Reich staffierte Landschaften in der Art des J. Brueghel d. J., malte auch in dessen Bilder die Figuren.
Axentowicz, Theodor (M), geb. 1859 Kronstadt, gest. 1909 (?). Gebildet in München und Paris,, Akadem.-Prof. in Krakau. Farbstarke Bildnisse und Genregemälde.
Azeglio, Massimo, Marchese (M), Dichter und Staatsmann, geb. 1798 Turin, gest. 1866 ebda. War zuerst als geschätzter Landschaftsmaler tätig, später kämpfte er als Schriftsteller und als Politiker für die nationale Erhebung Italiens. Modelle,
Anbetung der Hirten,
Anbetung der Könige,
Anbetung des Jesuskindes durch die Heiligen Drei Könige,
Anbetung des Jesuskindes durch die Hirten.
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Kunst Lexikon A-Z / Stichwortlexikon a
- a - b - c - d - e - f - g - h - i - j - k - l - m
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Amman - Amman, Jost (M u. Gr), geb. 1539 Zürich, gest. 1591 Nürnberg. Wichtig als sittenschildernder Radierer und Holzschneider, zahlreiche radierte Bildnisse und viele HolzsehnlttiEustratio-nen (Julius Caesar, Tltus Livius etc.).
Ammanati, Bartolorneo (A u. B), geb. 1511 Florenz, gest. 1592 ebda. Schüler von Jacopo Sansovmo. Ahmte schließlich in übertriebener Art Michelangelo nach. Hauptwerke : Benavides-grabmal in Padua (Eremitani),, Neptunbrunnen in Florenz. Welt genießbarer sind seine trefflichen Bauten: Hof von Sto. Spirito (Florenz), ebda Brücke SS. Trinitä und Palazzo Giugnl.
Amoretten (K), auch Eroten genannt; kleine Liebesgötter als Begleiter des Gottes Amor, der Aphrodite und des Bacchus. In genreartiger Umgestaltung wurden sie ein Lieblingsthema der Malerei seit der Renaissance.
Amorosi, Antonio (M), geb. 1660 Communanza, gest. nach 1736. Von den Holländern beeinflußter Maler bäuerlicher Genreszenen.
Ampel (Kg), eine zum Aufhängen bestimmte Lampe. A. sind bereits der Spätantike bekannt, in der frühchristlichen Kunst wurden sie besonders In der Erweiterung von A.-Kronen (mehrere Lampen an einer gemeinsamen Kette), der eigentliche Beleuchtungskörper der Kirche, später, seit dem Aufkommen der Kerzen, beschränkte man In den Kirchen die A. auf das „Ewige Licht".
Amphiprostylos (A), Gestaltungsform des griechischen Tempels mit offener Säulenvorhalle auf beiden Schmalseiten.
Amphora (Kg), bauchiges Gefäß mit 2 Henkeln, in der altgriechischen Keramik als Behälter für öl oder Wein verwendet.
Ampulle (Kg), Diminutiv von Amphora, kleine Kännchen oder
Fläschchen aus Metall, Glas oder Keramik zur Aufnahme geweihter Flüssigkeiten, die Wände sind mit sinnbildlichen Reliefs und Verzierungen versehen. Eine beliebte Abart waren die Pil-ger-A., die an Wallfahrtsorten ausgegeben wurden und das Wasser wundertätiger Quellen oder die Erde berühmter Märtyrergräber enthielten.
Amulett (Kg), vom Volksaberglauben mit magischen Kräften versehene kleine Gegenstände, welche gegen Dämonen, den ...Bösen Blick" und sonstiges Unheil schützen sollten. Für die Herstellung der A. spielen Ganz-und Halbedelsteine, sowie die Wurzeln bestimmter Pflanzen eine große symbolische Rolle. Das Christentum versuchte zuerst das Unwesen der A. zu bekämpfen, als dies jedoch scheiterte, interpolierte man christliche Inhalte, doch entartete auch diese neue Form sehr bald.
Anastasis (K), griechisch, die Auferstehung Christi.
Ancher, Michael (M), geb. 1849 Bornholm, gest. 1927 Skagen. Seine Themen nahm er aus dem Leben der Schiffer und Küstenbewohner, die Bilder sind von einer tiefen Schwermut erfüllt.
Andachtsbild (K), bildliche Darstellungen der Malerei und der Plastik religiösen Inhaltes, um Andacht und fromme Gedanken zu erwecken. Das A. entsteht mit dem neuzeitlichen Individualismus und reicht deshalb zusammen mit der Blüte der Mystik nur in das frühe 14. Jahrh. zurück. Das persönliche Moment bedingt auch einen oft betont lyrischen Gehalt. Seinen größten Einfluß erhielt das A. durch Steigerung der Beziehung der religiösen Szenen zum Alltag. Jedes religiöse Bild kann im weiteren Sinne als A. gelten. Maßgebend ist stets die lebhafte Beziehung zum Beschauer. A. im strengen Sinn sind: Marienklage (Vesperbild, Pletä), Schmerzensmann (Ecco homo), Hl.
Andreae, Karl (M), geb. 1823 Mülheim, gest. Helenenberg 1904. Historisierender Maler von Religiösem, Geschichtsbildern und Bildnissen; ab 1857 in Dresden vorwiegend mit Entwürfen für Glasmalereien tätig. Schüler von Schadow in Düsseldorf.
Andreani, Andrea (Gr), geb. um 1540 in Mantua, gest. nach 1610. Bedeutend seine reproduktiven Hell-Dunkel-Holzschnitte.
Andreaskreuz, siehe Kreuz.
Andri, Ferdinand (B u. M), geb. 1871 Waldhofen a. d. Ybbs, Akad.-Prof. an Wien. Gemäßigt moderne Landschaften, Genre, Kirchliches, dekorative Plastiken, Lithographien.
Androuet - Ducerceau, Jacques <A u. Gr), geb. um 1520, gest. 1580 Paris. Seine architektonische Tätigkeit spiegelt sich wider in seinen vielen Radierungen und in seinen theoretischen Schriften, die zum Teil auch archäologischen Wert haben. Stilbildend wirkten seine ornamentalen Entwürfe.
Angers, David d' (B), (Pierre Jean David), geb. 1789 Angers, gest. 1856 Paris. Begann als Nachahmer der Antike, ging dann in einen temperamentvollen Naturalismus über, in welchem er seine Bildnisstatuen und Büsten arbeitete. Monogr. von Jouin (1877), franz.
Angster (Kg), deutsches Gefäß des 15. bis 17. Jahrh. mit engem Hals (von latein. angustus = eng).
Anguier, Francois (B), geb. 1604 Eu., gest. 1669 Paris. Die ersten seiner vielen Grabmäler zeigen noch einen ruhigen Stil (Grabmal der Herzöge von Longue-ville, Louvre), wogegen die späteren das barocke Pathos aufnehmen (Grabmal Jacques de Souvre, Versailles 1670).
Anguisciola, Sofonisba (M) geb. 1527 Cremona, gest. 1625 ebda. Schülerin von Bern. Campi, arbeitete als Porträtistin für den spanischen Hof, später in Palermo tätig. Lebte zum Schluß als Blinde in Genua, wo sie viele Künstler förderte. Frühbarock.
Monogr. V. Fournter-Sarlovege (Paris 1899), franz.
Anker (A), in der Baukunst eiserne Verstrebungen, um Zugspannungen, die durch den Seitenschub entstehen, aufzunehmen. Der A. wird besonders verwendet in der Konstruktion des gotischen Strebewerkes (s. d.) und bei Kuppelbauten.
Anthemios von Tralles (A), baute zwischen 532 bis 537 zusammen mit Isidoros v. Milet d!le neue Sophienkirche in Kom-stantlnopel, das Hauptwerk des frühbyzantlnilschen über kuppelten Zentralbaues.
Anthonisz, Cornelis (M)„ geb. um 1499 Amsterdam, gest. nach 1556. Bildnisse, Kartograph.
Antlco, richtig Bonacolsi, Ilarlo (B). Tätig 1460 bis 1528 in Padua und Venedig, Kleinplastiken, besonders Bronzen.
Antike (stilkundlich, K), die bildende Kunst der Griechen und Römer von den Urzeiten bis Zum Ende des weströmischen
Reiches (465 n. Chr.). Hauptkennzeichen: Naturnähe, scharfe Naturbeobachtung, dabei Erhöhung der gewonnenen Eindrücke in eine einzigartige Idealität mit dem Bestreben, dafür bindende Maße und Werte zu gewinnen. Hauptthema der bekleidete, später auch der nackte Mensch in allen seinen Lebensäußerungen. Bei der griech. A. wird er zugleich zum Idealgebilde, da er die vielfachen Götterbegriffe auszudrücken hatte. In der röm. A. gipfelt die figu-rale Plastik in scharf charakterisierten Bildnisbüsten. In der Baukunst vermochten die Griechen die statischen Begriffe von Last und Stütze zum erstenmal in Europa klar auszudrücken und sie mit einem hohen Gefühl für Harmonie zu vereinigen. Die A. hat alle Bereiche der bildenden Kunst durchgebildet und Grundlegendes geschaffen, welches bis heute seine Gültigkeit bewahrt hat. Daher ist die lA. die große Lehrmeisterin der europäischen Menschheit nach dem Ende des weströmischen Reiches.
Zeitphasen der griech. A.:
a) Archäische Perlode: von den ältesten erhaltenen Denkmälern (um 800 v. Chr.) bis zum Ende des 6. Jahrh. Zuerst wird die Grundform des Steinbautempels ausgebildet und ein vielfach verwendetes geometrisches Ornament geschaffen. Im 6. Jahrh. sind dorische und ionische Säulenordnung (s. d.) sowie Harmonie und Statik voll durchgebildet (Beispiele: Tempel in Paestum und auf Sizilien, Atheraatempel in Aegina). Der griech. Tempel besteht aus einem fensterlosen, nur durch die Eingangstür beleuchteten, ein- bis mehrschiffigen Innenraum, in welchem, der Tür entgegengesetzt, in der Cella das Götterbild aufgestellt war. Nach außen besaß der Tempel entweder nur an der Vorderseite eine Säulenhalle (Prostylos, s. d.) oder eine solche an beiden Schmalseiten (Amphiprostylos, s. d.). Ferner wurde später der übrige Bau auf allen Selten mit Säulen umgeben (Peripteros, s. d., Dipteros, s. d., Pseudeoperipteros.
Römische Antike: Sie empfängt zuerst starke Anregungen von der etruskischen und später bis zum Schluß solche von der griechischen Kunst. Entsprechend dem sachlichen Sinn der Römer gipfelt ihre A. im Nutzbau, im realistischen Bildnis, aber auch in einem luxuriösen Kunstgewerbe. Architektur: Abhängig von landesüblichen Formen, entwikkelt sie das römsiche Haus mit seinem von Säulengängen umgebenen Innenhof (Peristyl, s. d., Atrium, s. d.). Der römische Tempel ist meistens ein Prostylos (s. d.) und steht auf einem mehrstufigen Sockel (Podiumtempel, s. d.). Verwendet wurde schon im 2. Jahrh. v. Chr. nur der korinthische Stil. Neu sind: Gebrauch der Ziegel statt Quadern. Verkleidung der Außenseiten mit Putz oder dünnen farbigen Marmorplatten (Inkrustation, s. d.), Bedeckung der Fußböden mit ornamentalem und figuralem Mosaik (s. d.), Durchbildung der von den Griechen übernommenen Wölbung in größten Dimensionen.
Vollendung des Rundbaues in wachsender Größe, reiche Gliederung der Außenseiten der Bauten durch die Kombination von Pfeiler mit Bogen oder von Säule mit Architrav (s. d.), neu ist ferner das Kompositkapitell, eine dekorative Verschmelzung des jonischen mit dem korinth. Kapitell.
Die wichtigsten Werke sind Nutzbauten, wie z. B. Thermen (s. d.), Basiliken (s. d.), Theater, bzw. Amphitheater (s. d.), Aquädukte (s. d.). große Villenanlagen und die Ausgestaltung der Stadt mit dem Forum (s. d.) als Mittelpunkt. Eine Besonderheit der röm. Baukunst ist der Triumphbogen (s. d.). Plastik: Sie steht zum größten Teil und fast bis zum Ende unter griechischem Einfluß. Bodenständig ist nur eine scharf beobachtete Bildnisplastik (Grabsteine, Sarkophage, Büsten). Umfangreich betätigt ist die Bauplastik, besonders wichtig das erzählerische Relief für Triumphbögen und Triumphsäulen.
Malerei : Sie ist vollkommen hellenistisch orientiert. Der Stil der hellenistischen Wandmalerei (s. d.) wird in 4 Phasen abgewandelt, die sich durch den Grad der Heranziehung gemalter Architekturen, Landschaften und durch die wechselnde Einstellung zum Raumproblem unterscheiden. Die Wandmalerei wird fast nur für die Innenräume der Paläste und Villen in vorbildlicher Weise angewendet. Eine Abzweigung ist die Kata-kombenkunst (s. d.) und frühchristliche Kunst (s. d.). Liter.: Die einschlägigen Bände der großen Kunstgeschichten von Springer, Lübke-Semrau, Woer-mann. Burkhardt, „Kulturgeschichte Griechenlands".
Antiphilos (M), Zeitgenosse und Nebenbuhler des Apelles, lebte um 330 v. Chr. am Hof des Ptolomäos zu Alexandrien. Er malte Historien, Mythologien, Genre und Karikaturen. Nichts erhalten.
Antiphonar (M), Buch mit den Gesangstexten für das Chorgebet. Das A. gehört zu den vorgeschriebenen liturgischen Büchern. Die kunstgeschichtliche Bedeutung des A. liegt in seiner Buchmalerei, welche hauptsächlich Szenen aus dem Leben Christi und Mariens verwendet. Die Blütezelt dafür ist das 11. und 12. Jahrh.
Antoine, Etienne (B), geb. 1737 Carpentras, gest. 1809 Marseille. Hauptwerke: Grabmal d'Inguimbert (Marseille) und Grazienbrunnen in Montpellier.
Antokolski, Markus (B), geb. 1842 Wilna, gest. 1902 Homburg. Arbeitete in Holz, Elfenbein und Bronze stark realistische Bildwerke (Bronzestatue Iwan d. Schrecklichen).
Antolinez, Jose (M), geb. 1635 Madrid, gest. 1675 ebda. Beeinflußt durch Velasquez und Coello. Religiöses.
Antonello, da Messina (M), geb. um 1430 Messina, gest. 1493 Venedig, wo er nach Anregungen durch die flandrische Kunst seit 1470 lebte und die venezianische Frührenaissance einleitete. A. d. M. stand eine sichere Zeichnung, ein hohes Schönheitsgefühl, treffliches Kolorit und eine fast vorimpressionistische Lichtbehandlung zur Verfügung. Hauptwerke: Altarwerk
Messina (Museo civico), Pala dl San Casslano (Wien, ksth. Mus.), „Hl. Sebastian" (Dresden). Monogr. von Jan Lauts (Wien 1940).
Antonio da Murano (M), gest. vor 1484, ebda, tätig zwischen 1440 bis gegen 1474 mit Giovanni d'AUemagna und Bartolomeo Vivarlni in Venedig. Sein Anteil an verschiedenen Altarbildern ist nicht deutlich abgrenzbar. Tätig auch in Fadua.
Apelles (M), aus Kolophon in Lydien, Hauptmeister der jonischen Schule, lebte in der 2. Hälfte des 4. Jahrh. v. Chr. Die antike Literatur feiert ihn als einen genialen Künstler und lobte seine Grazie, sein Kolorit und die Lebenswahrheit seiner Gestalten. Auf jeden Fall waren seine Bildnisse, Geschichtsmalereien und Mythologien voll Anmut. Erhalten hat sich davon nur ein Abglanz in hellenistischer Wetterführung.
Apokalypse (K), die geheime Offenbarung des Evangelisten Johannes. In großartigen, visionären, aber nicht immer klaren Bildern hat der Evangelist auf der Insel Patmos seine Gesichte niedergeschrieben. Der Hauptinhalt ist eine feurige Ermahnung an die Christen, das Böse zu bekämpfen und den endlichen Sieg der Kirche zu erreichen. Durch ihre Gedankentiefe haben manche Bilder der A. zu gewissen Zeiten den bildenden Künstlern große Anregungen gegeben.
Apollodoros von Athen (M), um 450 v. Chr., soll als Erster durch Verwendung von Licht und Schatten eine kräftige Modellierung herbeigeführt haben.
Apollodoros von Damaskus (A), Baumeister Kaiser Trajans (98 bis 107 n. Chr.), von ihm das Trajansforum, die Basilika Ul-pia, die Thermen Trajans. A. starb in der Verbannung.
Apollonios von Tralles (B), Hauptmeister der Schule von Rhodos, schuf mit Taurlskos von Tralles die Marmorgruppe des „Farnesischen Stieres" (Neapel).
Apostelkreuz (K), 12 Weihekreuze im Inneren der Kirche, auf die Mauer gemalt und mitunter bildlich mit den 12 Aposteln in Verbindung gebracht. Die A. sind identisch mit den Konsekrationskreuzen.
Apostelkrüge (Kg), Deckelkrüge des 17. Jahrhunderts in Deutschland, deren Wände mit buntfarbigen Darstellungen der Apostel In Relief oder Malerei geschmückt sind. Die meisten A. sind datiert, viele auch beschriftet.
Apotheose (K), Erhebung eines Irdischen unter die Götter oder, in Anlehnung an die Antike, die Verherrlichung bedeutender Personen.
Appiani, Andrea (M), geh, 1754 Mailand, gest. 1817 ebda. Übernahm für seine liebenswürdigen Fresken (Mailand Santa Maria presso San Celso, Palazzo reale,Monza: Villa reale) den Stil Raf-faels. Tätig auch als Bildnismaler, besonders für Napoleon.
Applique (Kg), selbständig gearbeitete Zierstücke, die auf einem Gegenstand aus dem gleichen oder einem anderen Material befestigt sind. Dazu gehören u. a. die vergoldeten Bronzebeschläge auf den Möbeln des 18. Jahrh. Wandappliquen sind mehrarmige Wandleuchter.
Apshoven, Theodor (M), geb. 1622 Antwerpen, gest. 1657 ebda. Staffierte holländ. Landschaften, beeinflußt durch J. V. Goyen.
Apsis, Mz. Apsiden (A), auch Concha, Tribuna, Exedra genannt. Ein im Grundriß halbkreisförmiger,, von einer Halbkuppel überdeckter Anbau an einen größeren Hauptraum. Die A. wurde bereits im römischen Profan- und Sakralbau verwendet und von diesen in die frühchristliche Baukunst übertragen, wo sie zum Kaum des Hochaltares wurde. Die A. ist besonders deutlich, ausgebildet bei der Langhausbasilika (Abb. S. 33), doch wird sie auch an den Zentralbau (s. d.) angegliedert. Sie ist zumeist gegen Osten gerichtet, um einige Stufen über das Langhaus erhöht und enthält die Sitze der Geistlichkeit. Im Scheitelpunkt hinter dem Altar die Kathedra (s. d.) des Bischofs und vor dieser den Altar.
Der Abschluß der A. gegen das Langhaus erfolgt durch die Altarschranken (siehe Altar). War in der frühchristlichen Basilika nur das Hauptschiff durch eine A. abgeschlossen, so erfolgte ein solcher Albschluß dann im Mittelalter auch für die Seitenschiffe. Dies ist besonders bei der Anlage eines Querschiffes der Fall. Im 7. bis 9. Jahrh. pflegte man auch mitunter an das Westende der Langhauskirche eine (West-)Apsis anzugliedern, wodurch die Doppel-chörigkeit (s. d.) entstand. In der Baukunst der Zisterzienser wurde die halbrunde A. in ein Viereck umgewandelt. Beide Formen dienten dann der polygonalen A. der Gotik (s. d. Chor und Gotik) als Ausgang.
Am der Außenseite wurde die A. waagrecht durch den Rundbogenfries (s. d.) und senkrecht durch die Lisenen (s. d.) gegliedert und geschmückt. In der Hochromanik wurde die Mantelfläche der A. durch Blendarkaden (s. d.) und Fensterreihen aufgelöst, während früher die Belichtung nur durch einzelne, meist schmale Fenster erfolgte.
Apt, Ulrich d. Ä. (M), gest. 1532 Augsburg,, nachweisbar ab 1481. Heiligenbilder unter niederl. Einfluß, als Porträtist von Holbein d. J. beeinflußt.
Aquädukt (A), Wasserleitungen der römischen Kaiserzeit in der Form langer und vielbogiger Brücken.
Aquamanile (Kg), kirchliches Gefäß zur Aufnahme des bei der Messe verwendeten geweihten Wassers. Aus symbolischen Gründen erhielt das A. oft die Gestalt von Hirsch, Löwe, Greif u. a. m.
Aquarell (M), die Malerei mit Wasserfarben ohne Zusatz von deckenden Pigmenten, so daß der Malgrund stets durchseheint. Das Farbpulver wird mit Gummi als Bindemittel entweder in feste Formen gepreßt (Knopffarben) oder im zähflüssigen Zustand gelassen (Tuben-färben). Als Malgrund dient verschieden gekörntes Papier, seltener Stoff, Pergament, Elfenbein u. a. m. Die Pinsel müssen weichhaarig sein und sich in eine Spitze formen lassen. Die Technik ist schwierig, sie erfordert eine sehr gute zeichnerische Vorbereitung und ein flottes Arbeiten. Korrekturen sind schwer möglich. Meist wird naß in naß gearbeitet. Ralph Ueltzhoeffer, Textportrait Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Lichter und feine Details können mit dem spitzen Pinsel herausgenommen werden. Manche Künstler waschen ihre fast fertige Arbeit bis auf einen zurückbleibenden Hauch ab und benützen diesen als Grundlage für eine nochmalige Arbeit, die dann besonders duftig wird.
Vorher beschränkte sich das A. auf die Buchmalerei, auf die Kolorierung von Zeichnungen, Kupferstichen und Holzschnitten und nur selten erscheint es als selbständige Kunst (Dürer und seine Zeitgenossen). Vom 17. Jahrhundert angefangen hat dann das A. sich großartig entwickelt und in dieser Technik wurde im Bildnis (Miniatur),, im Genre und besonders in der Landschaft sehr Bedeutendes geschaffen. Besonders beliebt wurde das A. für Studienzwecke. Liter.: Brieger, Das Aquarell. Sinnbildlich leitet sich der A. von der mythischen Gestalt des Atlas als Träger des Himmelsgewölbes ab.
Atrium (A), a) Der Hauptraum des altrömischen Hauses mit dem Herd. später die oft reich ausgeschmückte Eingangshalle, b) der der Eingangsseite der frühchristlichen Kirchen vorgelegte, von Säulenhallen umgebene Hof (Paradies genannt) mit dem Reinigungsbrunnen (Kan-tharus) in der Mitte oder die unmittelbar an die Kirche angebaute Vorhalle, die nieist von einem Dach überdeckt ist, während sich ein Teil der Wände in rundbogigen Säulengängen auflöst. In der kirchlichen Baukunst der Romanik spielte das A. eine bedeutende Rolle.
Normalgrundriß des römischen Hauses: 1. Vestibulum. 2. Atrium, 3. Irnpluvium, 4. Tablinum, 5. Triclinum, 6. Cubiculum
Attavante, Marco (M), geb. 1452 Florenz, nachweisbar bis 1511. Miniaturmaler, seine Hauptwerke für König Matthias Corvinus von Ungarn in prachtvoller, reicher Frührenaissance.
Attika <A), niedriges Geschoß zwischen dem obersten Gesims (Kranzgesims) und dem Dachansatz. Die in allen Stilen verwendete, aus der Antike stammende A.. wird im Barock dekorativ ausgebildet und reich mit Plastiken versehen. In dieser Zeit erhält die A. auch Fenster mit dahirter liegenden Wohnräumen (Attikageschoß).
Attische Basis (A), Basis der jonischen Säule (siehe Säulenordnung), besteht aus einer Hohlkehle zwischen zwei starken Wülsten (Abb. S. 350).
Attribut (K), einzelnen Figuren beigegebene besondere Kennzeichen, die das Leben, die Wesensart und die Sendung, dieser Figuren erklären sollen und daher nur dieser Figuren zu eigen sind. Manchmal ist das A. auch die formelhaft abgekürzte Darstellung eines charakteristischen Momentes (Eigenschaft) der Figur und mit ihr eng ikonogra-phisch verbunden. Im Gegensatz zum Symbol kann das A. nie für sich allein stehen, sondern nur in Verbindung mit jener Figur, aus deren Wesensart es gezogen ist. Das A. ist bereits in der ältesten ägyptischen Kunst nachweisbar, seine reichste Entfaltung erhielt es erst in der Form der Heiligen-A. des Mittelalters und in der Zeit des Humanismus für allegorische und mythologische Figuren.
Das A. kann somit nicht nur religiösen Figuren, sondern auch profanen beigegeben weden (siehe Allegorie).
Ätzung, Ätzkunst (Kg, Gr), das Verfahren, Metalle, steine, Glas und Elfenbein auf chemischem Wege mit Zeichnungen zu verzieren. Die Ä. erfolgt durch das (Abbeizen des die Zeichnung tragenden Teiles der Oberfläche, während alles übrige durch eine Schichte aus Asphalt, Wachs, Paraffin oder Harz davor geschützt wird. Die Ä. wurde zuerst im Anfang des 16. Jahrh. in Deutschland zur Ornamentierung eiserner Rüstungen verwendet. (Siehe auch Radierung.)
Atzwanger, Hugo (M), geb. 1883 (Tirol). Geschickte dekorative Wandmalereien im volkstümlichen Stil an Fassaden und in Innenräumen Südtirols.
Auditorium (A),
a) in der Antike Lehrsäle,
b) im mittelalterlichen Kloster (s. d.) Empfang- und Sprechzimmer.
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