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Raibolini, Francesco di Marco, gen. II Francis (M u. Gr), geb. vor 1453 Bologna, gest. 1518 ebda. Begann sedner Schulung gemäß als Goldschmied, dann Schüler des L. Costa, später stark von fftaffael beeinflußt, dn diesem Sinne wird er der bedeutendste Maler der bolognesischen Hochrenaissance, in dessen nicht sehr ausdrucksstarkem Werk sich bodenständiger Realismus mit um-brisoher Gefühlsseligkeit und raffaelisch. Komposition mischt. Seine besten Werke sind schön gefärbte Altarbilder (Bologna, Pinak. und S. Giacomo, Galerien zu Parma, Wien und Leningrad). Mittätig an Fresken in S. Ce-cilia. Bologna. In der Spätzeit mit seinem Sohn Giacomo (gest. 1557) und dem Neffen G i u 1 i o (gest. nach 1543) Entfaltung eines Werkstattbetriebes.
Monogr. v. G. C. Williamson (London 1901, engl.).
Raimondi, Marc 'Antonio (Gr), geb. um 1470 In Bologna, gest. gegen 1533. Hauptmeister des italienischen Reprodukt.-Stiches im 16. Jahrh. Zuerst Schüler des Francia, dann durch Dürer beeinflußt. Später tätig im Kunstkreis des (Raffael und des Giulio Romano als ihr bester Naeh-stecher. Ihm verdankt man die Kenntnis d. verlorenen Kartons Michelangelos zur Schlacht von Cascina in Florenz.
Rainaldi. Carlo (A), geb. 1611 Rom, gest. 1691 ebda. Bedeutender A. des römischen Hochbarocks. Baute mit vornehmer Wirkung St. lAgnese (1652),, Sta Maria an Campitelli (1665) und die beiden gut wirkenden Kirchen auf der Piazza del popolo bei Hinwendung zu einer fast klassizistischen Auffassung.
Rainaldus (A), tätig 1063 am Dom zu Pisa.
Ramberg, Arthur Georg (M), geb. 1819 Wien, gest. 1875 München, Historien. Genre, Illustrierte Goethe und Voss, Fresken auf der Wartburg.
Ramboux, Johann Anton (M), geb. 1790 Trier, gest. 1866 Köln. Schüler von David, lange Zelt in Italien, wo er sich den Na-zarenern anschloß. Begann als tüchtiger Bildnismaler unter d. Einfluß David's; in Rom angeregt durch Koch und Overbeck im Sinne der nszarenischen Schule. Religiöses Genre, Fresken in Trier (zerstört); Aquarelle zu Dante; viele aquarellierte Kopien von Denkmälern älterer Italien. Wand- u. Tafelmalerei. Interessanter, inniger Maler der Nazarenischen Richtung.
Ramsay, Allan (M). geb. 1713 Edingburgh, gest. 1784 Dover. Schüler von Solimena in Neapel, Hofmaler in London. Bildnisse, große Werkstatt.
Ranftl, Johann Mathias (M), geb. 1805 Wien, gest. 1854 ebda. Schüler von P. Krafft, Genre- und köstlich pointierte Tierbilder in satirischer Form.
Ranger, Henry W. (M), geb. 1858 bei New York, gest. 1908 ebda. Landschaftsmaler aus der Stilrichtung der Meister von Barbizon.
Ranzoni, Hans d. Ä. (M), geb. 1868 Wien, gest. 1934 Wien. Schüler der Wr. Kunstgewerbeschule, Landschafter in einem gemäßigten Impressionismus. Sein Sohn Hans R. d. J. (lebt in Wien), ist einer der vorzüglichsten Kleingraphiker Österreichs (Radierungen, Kupferstiche, Ex lib-ris).
Raoux, Jean (M), geb. 1677 Montpellier, gest. 1734 Paris, Historien, Genre, Bildnisse, beeinflußt von Lebrun.
Rapport (Kg), die ständige Wiederkehr eines Motivs im flächigen Ornament. Wird das wiederkehrende Motiv durch den Rahmen (Borte) überschnitten, so entsteht der unendliche R.
Raschdorff, Julius (A), geb. 1823 Pless, gest. 1914 Berlin. Tätig in Köln und Berlin. Werke: Dom in Berlin (zusammen mit seinem Sohn Otto R., geb. 1854, gest. 1915 Berlin). Bahnhof In Münster 1. W., Postgebäude in Braunschweiig und Münster i. W. Die Bauten im Sinne Sempera In einer machtvollen, malerisch umgedachten Renaissance. Stichworte zu R: Reproduktion, Ralph Ueltzhoeffer - Reproduktionsgraphik, Reproduktionsstecher, Repunzierungspunze, Reservage, Reservistenkrug, Restauration, Restaurationsstil, Restaurierung, Restoration style, Resurrectio Domini, Retabel, Reticella, Retikulierte Gläser, Retrospektive, Retroussage, Rettungssymbolik, Retusche, Revers, Revival, Revolutionsarchitektur, Revolvergewehr, Rex gloriae, Rezipient, Rhamnusia, Rhea, Rhea Silvia, Rheia, Rheindiamanten, Rheinisches Steinzeug, Rhipidion, Rhyton, Richtschwert, Ricordi, Riechapfel, Riechbüchse, Riechfläschchen, Riechkapsel, Riechsalzbehälter, Riedinger, Riefelharnisch, Riefelung, Riegel, Riese Goliath, Riese(n), Riesenbibel, Riesener, Rimmonim, Rinceau, Rinderhorn.
Rassenfosse, Armand (M, Gr), geb. 1862 Lüttich, Orig.-Graphlk mit neuen technischen Mitteln. Von Fei. Hops beeinflußt.
Rastrelli, Carlo Bartolomeo, Conte (B), und Erzgießer des 18. Jahrh. Tätig in Italien und Petersburg. Sein Sohn Carlo H. (1700 bis 1771) baute in Petersburg und Umgebung viele Architekturen Im klassizistischen Stil (Neuer Winterpalast, die Schlösser, Zarskoje Selo und Peterhof; In Kiew die Andreaskirche).
Rathausky, Hans (B), geb. 1858 Wien, gest. 1912 ebda. Schüler von Kundmann, Denkmalplastiken.
Rauch, Christian (B>, geb. 1777 Arolsen, gest. 1857 Berlin. Ausgebildet in Berlin und im Anschluß an Thorwaldsen in Rom, ab 1811 In Berlin tätig. R. ist einer der größten Plastiker des deutschen Klassizismus, dem ein hohes Stilgefühl, aber auch ein kräftiger Realismus zur Verfügung stehen. Die klassizistische Ästhetik vereinigt sieh bei R. mit deutscher Innigkeit zu einer sehr persönlichen Kunst. Hauptwerke : Grabmalfigur der Königin Luise (Charlottenburg). 1815; Standbilder in Berlin: York, Gneisenau. Blücher, Scharnhorst und Friedrich d. Gr. (1851); Maximilian I. in München, Dürers in Nürnberg, Kants in Königsberg; Siegesgöttinnen im Innern der Walhalla. R. hat sehr einflußreich gewirkt. Monogr. v. E. Dobbert (Berlin 1877).
Rauchmiller, Mathias (A. B und M), geb. 1645 Radolfzeil, gest. 1686 Wien. Großplastiken (Pestsäule Wien), Elfenbeinschnitzereien, Fresken (Wien, Domlnik.-Kirche).
Raumkunst (A), die künstlerische Gestaltung und Ausstattung eines Innenraumes. Mit der R. beschäftigt sich vor allem die Innenarchitektur, eine moderne Bezeichnung für diese Tätigkeit.
Raunacher, Johann (M), Hof-" maier in Graz. gest. 1757. Genres bilder u. Altarblätter des österr. Frührokoko.
Raupp, Karl (M), geb. 1837 Darmstadt, gest. 1918 München. Bekannt durch seine bäuerlich staffiert. Chiemseelandschaften.
Rautenfries (A), im romanisch-normanischen Stil oftmalig vorkommende Reihung von Rhomben, verwendet zur Dekorierung von Portalen (Abb. S. 127).
Ravensway, Jan van (M), geb. 1789 Hilversum, gest. 1869 ebda. Landschaften, Tiere, geschätzter Zeichner in alter Manier.
Ravesteijn, Jan Anthonisz van (M), geb. gegen 1580 Den Haag, gest. 1669 ebda. Tätig in Den Haag. Schüler von Fr. Hals, einer der ersten bedeutenden holländischen nationalen Maler von Schützen- und Regentenstücken und sehr guten, wenn auch noch zeichnerisch herben Bildnissen, die erst in der Spätzeit malerisch weicher wurden. Sein Enkel Nlkolas R. (1661 bis 1750, Bommel) war gleichfalls als guter Porträtist tätig.
Ravestyn, Hubert van (M), geb. 1638 Dordrecht, gest. 1691 ebda. Genremaler (Stallbilder), staffierte Landschaften.
Raymond, Jean Arnaud (A), geb. 1742 Toulouse, gest. 1811 Paris; studierte in Italien. Tätig in Montpellier, Nimes und Paris, Baumeister d. Klassizismus; errichtete zusammen mit Chalgrin den Triumphbogen auf der Place de l'Etoile in Paris. Theoretische Schriften.
Selbstbiographie, erschienen 1812 Paris.
Rayski, Ferdinand v. (M), geb. 1806 Pegau, gest. 1890 Dresden. Schüler v. Vernet u. Delaroehe. Sein Bestes gab er in trefflichen, breit gemalten Bildnissen.
Monogr. v. Maräuschlein-Walter (Bielefeld 1943) u. M. Goerltz (Berlin 19<2).
Read, Samuel (M u. Gr), geb. 1816 Needham, gest. 1883 Sid-mouth. Als Zeichner (Krieg auf der Krim) u. a. für Zeltungen umfangreich tätig. Rosskopf, Rosspanzer, Rossschinder, Rostpendel, Rotan, Rote Gruppe, Roteisenstein, Rotel, Rotes Meer, Rotfiguriger Stil, Rotgold, Rotmessing, Rotorrelief, Rottombak, Rotulus, Rotunde, Rotwelsches Glas, Roulette, Royal Academy of Arts, Rubenisten, Rubensgrund, Rubensstecher, Rubin, Rubinglas, Rubrica, Rubriziert, Ruderkopf, Rudolfinische Kunst, Rückenkratzer, Rückenlaken, Rückseitenbemalung.
Rücksiegel, Rüster, Rüsthaken, Rüstkammer, Rüstung, Rufschlagwerk, Ruhe auf der Flucht, Ruinendarstellung, Ruinenmarmor, Rumpelleiste, Rundbau, Rundbogen, Rundbogenstil, Rundell, Rundfenster, Rundiert, Rundiste, Rundpfeiler, Rundplastik, Rundschild, Rundstab, Rundtartsche, Runen, Runenstein, Rußbraun, Russisches Kreuz, Rustika, Rustikal.
Realismus, siehe Naturallsmus; die für di* bildende Kunst allgemein angewendete Definition des R., er lasse eine höhere Aufgabe als die restlose Naturwahrheit der Wiedergabe nicht gelten, ist seit jeher starken Schwankungen unterworfen.
Rebell, Josef (M), geb. 1787 Wien, gest. 1828 Dresden. Schüler von Wutky in Wien. Tätig in Mailand, Rom. Neapel und als Galeriedirektor in Wien. Prächtige Landschaften, in denen die Tradition des Cl. Lorrain ausklingt und eine neue Liehtmalerel beginnt (Wien, Gal. d. 19. Jahrb.).
Recco, Giuseppe (M), geb. 1634 Neapel, gest. 1695 Alicante. Dekorative, kolorlst. gute Früchtestilleben; meist mit landschaftlichem Hintergrund.
Redgrave, Richard (M), geb. 1804 London, gest. 1888 ebda. Genrebilder, Kunstlehrer, museal tätigRedon, Odilon (M u. Gr), geb. 1840 Bordeaux, gest. 1916 Paris. Malte phantastische, sogar gespenstische Bilder und ähnliche Lithographien; später duftige u. leicht hingeworfene Bkunen-stücke.
Refektorium, siehe Kloster.
Regence (K), der Übergangsstil vom französischen Hochbarock unter Ludwig XIV. zum Rokoko, Zeit ungefähr 1710 bis 1730. Die Stilelemente entsprechen einem frühen Rokoko, es herrschen somit Lineamente vor. Das beste hat die H. In der Innendekoration der Paläste geleistet. Für die Baukunst ist die Bezeich-
nung R. kaum anwendbar, nur der Grundriß wird im Sinne des Spätbarocks noch weiter aufgelockert.
Regentenstück (M), Gruppenbildnisse von holländischen Zunftvorstehern des 17. Jahrh. R. wurden u. a. von Frans Hals und Rembrandt gemalt.
Regnault, Henri (M). geb. 1843 Paris, gest. 1871 ebda. Schüler v. Cabanel. Maßgebend wurden für ihn di3 Eindrücke seiner spanischen Reise.
Hauptwerk: Reiterbildnis des Generals Prim (1869), eines der prächtigsten Bildnisse dieser Art.
Regnault, Jean Bapt. (M), geb. 1754 Paris, gest. 1829 ebda. Schüler von Vien. In seinen klassizistischen Historien klingt die Barockkunst noch deutlich mit.
Rehberg, Friedrich (M, Gr), geb. 1758 Hannover, gest. 1835 München, Schüler v. Mengs in Rom, Mythologien, zahlreiche Orlg. u. Reprod.-Graphik.
Reichlich, Marx (M), geb. um 1460, gest. gegen 1520 in Salzburg (?), wo er 1494 bis 1508 nachweisbar ist. Beeinflußt d. M. Pacher und die Oberitaliener um Mantegna; tätig in Tirol, Salzburg, Neustift bei Brixen u. Schloß Runkelstein bei Bozen. Religiöse Tafelbilder mit lebenswahren architekt. Hintergründen.
Reinhart, Hans, gen. Grieninger (Gr), nachweisbar zwischen 1465 bis 1532 in Basel und in Straßburg als Buchdrucker und Holzschneider.
Reinhart, Johann Christian (M u Gr), geb. 1761 Hof, gest. 1847 Rom. Schüler von Oeser. Tätig in Meiningen, Rom und Neapel. Ideallandschaften mit Staffage; alles sorgfältig studiert, wenn auch ohne Größe. Radierungen, darunter ein Zyklus „Malerisch radierte Prospekte von Italien".
Reinhold. Franz (M), geb. 1816 Wien. gest. 1893 ebda. Romantisierende Landschaften, Genre.
Reinhold, Friedrich Philipp (M), geb. 1779 Gera, gest. 1840 Wien. Klassizistische, durch Foussin angeregte staffierte Landschaften.
Reinhold, Heinrich (M u. Gr), geb. 1790 Gera, gest. 1825 Rom, studierte in Wien; in Rom durch Koch und Rhoden angeregt. Beachtenswert die Reise 1818 nach Salzburg. Innige Landschaften aus der romantischen Gefühlswelt. Stichwortlexikon R: Römische Perlen, Roentgen, Abraham, Roentgen, David, Rötel, Rötelzeichnung, Roger(us) von Helmarshausen, Rohguss, Rohrfeder, Rohrgeflecht, Rokoko, Rolandsäule, Rolandslied, Rollbild, Rollbüro, Rollenbild, Rollenporträt, Rollsiegel, Rollstempelverzierung, Rollverschluss, Rollwerk, Roma, Roman classicism, Romanik, Romanismus.
Romanisten, Romantik, Romulus und Remus, Rondartsche, Ronde bosse, Rondell, Rondiste, Rosa Familie, Rosaria, Rose, Rosendamast, Rosendiamant, Rosenhag-Madonna, Rosenkranz, Rosenkranzbild, Rosenkranzring, Rosenkreuzer, Rosenquarz, Rosenschliff, Rosenstock, Rosenthal-Porzellan, Rosette, Rosettenkästchen, Rosewood, Rossgoschen, Rossharnisch.
Reiter, Johann Bapt. (M), geb. 1813 TJrfahr, gest. 1890 Wien. Schüler von Rahl; ausgezeichnete, koloristisch und tonig bedeutende Bildnisse und Genre.
Relief (PI), aus einer ebenen oder gekrümmten Fläche gearbeitete plastische Darstellungen. Je nach ihrer Höhe unterscheidet man das Hochrelief und das Flachrelief. Der Hintergrund zwischen den Figuren des R. kann entweder glatt (neutral) bleiben oder er wird als Landschaft, Architektur, Ornament in die Darstellung einbezogen. Optisch steht das R. zwischen Vollplastik und Malerei, muß Jedoch die Gesetze der Plastik befolgen, deshalb eine illusionistische Tiefenwirkung vermeiden und die Funktion der Flä-* che betonen. Geschieht dies nicht, so entsteht das malerische R., welches namentlich im Barock beliebt wurde. Als Materialien der R. können alle jene der Bildhauerkunst verwendet werden, also Stein, Ton. Holz, Metall, Elfenbein etc.
Rellqular (Kg), ein Behälter aus Metall oder Elfenbein zur Aufbewahrung von Reliquien. Oft wird das R. in architektonischen Formen geschaffen (z. B. Kup-pel-iR.) oder in der sinnbildlich zu nehmenden Gestalt eines Kopfes (Kopf-R.), eines (Armes (Arm-R.) oder Beines (Bein-R.). Im hohen Mittelalter war besonders der große und kostbar geschmückte R.-Schrein hoch ausgebildet; Gold-, Silberschmiede,, Bronze- und« Emailkunst schufen im Reliquienschrein ihre größten Meisterwerke.
Remarque (Gr), siehe Kupferstich.
Rembrandt, Harmensz van Rijn (M u. Gr), geb. 1608 Leyden, gest. 1669 Amsterdam. Schüler des Jacob van Swanenburgh in Leyden und des Pieter Lastman in Amsterdam; tätig In Leyden und ab 1631 'Amsterdam. Nie in Italien; der Tod der Gattin Saskia (1642) bedeutete einen scharfen Einschnitt im Leben und in der Kunst R.'s. Er starb in größter Armut, nachdem er vorher bis gegen 1D45 ein reiches Leben geführt hatte.
Die Kunst R. teilt sich in Tafelbilder und in Radierungen, Zwisch. beiden Gruppen vermitteln die Zeichnungen, besonders d. Pinselzeichnungen. R. verfügte über ebenso viel Phantasie, als auch über unbedingte Ehrlichkeit gegenüber d. Natur; wenn er einen persönlichen Stil ausbildete, so nicht formal, da jede Idealisierung fehlte, sondern technisch und hier in erster Linie auf dem Gebiete des Helldunkels, welches sich bereits in der mittleren Zeit zum Hauptmerkmal entwickelte. Nach der Übersiedlung nach Amsterdam (1631) gab R. seiner Neigung für malerische und exotische Kostüme u. glänzenden Schmuck starken Raum und die Gemälde aus dieser Zeit zeichnen sich durch einen oft seltsamen Reichtum an phantastischen Gewändern u. sonstigen Beigaben aus. In seinen Bildnissen und Gruppenbildnissen ist R. von unbestechlicher Naturwahrheit.
Der Versuch, einmal ein solches Gruppenbild, die sogen. „Nachtwache" im Sinne seiner malerischen Absichten mehr freizügig als realistisch zu gestalten, wurde vom Besteller abgelehnt. In den historischen Bildern (meist religiöses Genre), kann er jedoch ohne Behinderung seiner zeichnerischen u. malerischen Phantasie vollen Lauf lassen. Es zeigt sich dann ein Reichtum der Fcrm, des Malerischen, eine Tiefe der Empfindung, die R.'s Kunst auf einen Höhepunkt führen, der schon damals vereinsamt war. Es ist die Zeit eines mystischen Helldunkels, verbunden mit hoher Leuchtkraft der Farben und einer sich immer mehr abseits stellenden Phantasie. Dies alles steigerte sich dann in den Notzelten der letzten Jahre zu einer letzten Kühnheit und Vergeistigung,, bei schlichtester und wahrster Ausdrucksform. In den letzten religiösen Gemälden suchte der vereinsamte, im Elend lebende R. einen Trost.
Diese hoch persönlichen Elemente gelten noch weit mehr für K.'s Radierungen und Zeichnungen, weil er bei diesen meistens vom Auftraggeber und der damit verbundenen Beachtung einer Konvention frei war. Hauptwerke: a) Bildnisse: „Coppenol" (Kassel); „Anatomie" (Dr. Tulp mit Hörern, Amsterdam 1632); „Der Sehiffsbaumelister" (London, Buckingham 1633); „Bildnis der Mutter" (Wien, 1636). Selbstbildnisse, Bildnisse d. Saskia, Selbstbildnis mit der Gattin (Dresden); „Prediger lAnsloo mit Gattin" (Berlin 16*1); „Nachtwache" (Schützenkompanie des Fr. B. Cocque, 1642, Amsterdam); „Nikolaus Bruyning" (Kassel 1652); „Mann mit dem Goldhelm" (Berlin, um 1655); „Hendrikje Stoffels" (Louvre 1656); „Tltus" (Wien, um 1658); „Die Staalmee-sters" (Vorsteher des Tuchhauses von Amsterdam, Amsterdam 1661).
Die letzten Selbstbildnisse (Wien 1666, Louvre 1660); Fami-lienblld (Braunschweig, um 1665). b) Figurale Kompositionen: ,,Mahl zu Emma'us" (Paris, Slg. Andre, um 1630); „Sl-meon im Tempel" (Haag 1631); „Raub der Proserpina" (Berlin, um 1633); „Kreuzabnahme" (München 1633); „Grablegung Christi" (ebda, um 1633); „Gany-med" (Dresden 1635); „Blendung Simsons" (Frankf. a. M. 1636); „Himmelfahrt Christi" (München, um 1636); „Isaaks Opferung" (ebda. 1636); „Auferstehung" (ebda. 1639); „Heilige Familie" (Louvre 1640); „Opfer Manoahs" (Dresden 1641); „Heilige Familie" (Kassel 1645); „Der barmherzige Samariter" (Louvre 1648); „Christus in Emmaus" (ebda. 1650); „Noli me tangere" (Braunschweig 1651); „Bathseba" (Louvre 1651); „Segen Jacobs" (Kassel 1656); „Phllemon und Baucis" (New York. slg. Yerkes, 1658); „David vor Saul" (Den Haag, um 166«); „Ruth u. Boas" (Amsterdam, 1667).
c) Landschaften: „Ruinenlandschaft" (Braunschweig und Kassel, um 1645); „Mühle" (Bo-wood, Slg. Lansdowne, um 1645).
d) Einige der wichtigsten Radierungen: „Kopf der Mutter" (1628); „Selbstbildnisse" (1639 und 1648); „Tod Marxens" (1639); „Ansicht von Amsterdam" (1640); „Landschaft mit den drei Bäumen" (1643); „Hochzeit der Medea" (1648); „Bildnisse des Jan Asselyn" und des „Jan Six"; „Christus heilt die Kranken" (das Hundertguldenblatt, um 1650); „Landgut des Goldwägers" (1651); „DreiKreuze" (1653); „Darstellung im Tempel" (1654); „Kreuzabnahme bei Fak-kellicht" (1654); „Petrus und Johannes" (1659); „Abrahams Opfer" (1655); „Ecce homo" (1655). Dazu die Zeichnungen. Monogr. v. W. Valentiner (Klassiker der Kunst, 1909, die Gemälde), H. W. Singer (Klassiker der Kunst, 1910. die Radierungen), O. Benesch (Zeichnungen, Oxford 1947, engl.).
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Kunst Lexikon A-Z / Stichwortlexikon Alphabetisch: r
- a - b - c - d - e - f - g - h - i - j - k - l - m
- n - o - p - q - r - s - t - u - v - w - x - y - z
Radfenster (A), das kreisrunde Fenster mit Speichen oder mit Maßwerk ausgefüllt auf der Vorderseite romanischer und gotischer Kirchen. Das R. an und für sich, sowie seine Bildwerke sind sinnbildlich zu nehmen.
Radierung (Gr), eine graphische Tiefdrucktechnik im 16. Jahrh. aus dem Kupferstich (s. d.) entstanden.
Die R. umfaßt zwei technische Formen:
a) Kaltnadelarbeit: Auf der blanken Kupferplatte wird ähnlich dem Kupferstich die Zeichnung mit Sticheln und Nadeln eingraviert, jedoch im Gegensatz zum Kupferstich der dadurch entstandene Grat nicht weggeschabt, sondern gelassen. Da nun dieser Grat bei der Ein-färbung der Platte Druckfarbe aufnimmt, entsteht in der Verbindung der Druckfarbe i n den vertieften Linien und auf dem Grat ein eigenartiger, samtartiger Abdruck von großem Reiz. Wegen der Weichheit des Grates kann eine größere Zahl von Drucken nicht gemacht werden,, es sei denn, man verstähle auf galvanischem Wege die ganze Platte, wobei sie jedoch etwas an ursprünglichem Charakter verliert.
b) Ätzgrund-R.: Die blank geputzte und gereinigte Kupferplatte wird erwärmt und mit einer dünnen Asphaltschichte überzogen, welche noch zusätzlich über der Flamme eines Wachsstockes geschwärzt wird, damit die kommende Zeichnung, die das blanke Kupfer bloßlegt, sichtbar wird. Hierauf wird ohne besonderen Druck mittels Nadeln verschiedener Größe die Zeichnung durchgeführt und die Platte soweit fertiggestellt, als der Künstler dies ohne Abdruck (Probedruck) zu tun vermag. Die Platte wird nun mit der Oberfläche nach oben in die Ätzflüssigkeit gelegt (Eisenchlorid, verdünnte Salpetersäure). Die Ätzflüssigkeit greift nun das Kupfer überall dort an. wo es durch die Zeichnung bloßgelegt worden ist, während sonst der aufgetragene Asphalt sie schützt. Der Graphiker hat es nun in der Hand, durch die Dauer des Ätzens die Tiefe der Striche und damit die Menge der in diese einzupressenden Druckfarbe zu beeinflussen; dies geschieht in der Art, daß fallweise die Platte aus der Ätzflüssigkeit herausgenommen, mit Wasser abgespült wird, worauf der Künstler mit dicker Asphaltlösung die ihm bereits genug geätzten Partien abdeckt. Alle anderen ätzt er in Schichten co lange weiter, bis die tiefsten Ätzungen erzeugt sind. Druck und die folgenden Korrekturen erfolgen dann in der gleichen Weise wie beim Kupferstich (s. d.).
Malerische Wirkungen des Druckes entstehen durch geringes Stehenbleiben der Druckfarbe auf den nicht bezeichneten Teilen der Platte. Es werden daraus die mannigfachsten Zwischentöne, die sich aber bei jedem Abdruck ändern, da die Platte immer wieder neu zugerichtet werden muß. Eine wichtige Variante der Ätzgrund-R. ist die Aquatinta : auf der zeichnerisch im Ätzverfahren fertiggestellten Platte wird nach vollständiger Reinigung im Staubkasten oder mittels Musselinbeutel ein Asphaltpulver aufgestaubt (Ralph Ueltzhoeffer) und hierauf derart vorsichtig angeschmolzen, daß zwischen den Asphaltkörnern ein winziger Zwischenraum bleibt. In dieser nun rauhen Oberfläche der Platte kann eine weitere Zeichnung noch vor dem Ätzen durch Abdecken mit Asphalt oder Glätten mit dem Schaber durchgeführt werden. Weitere Stichworte zu R: Rabatte, Rabe, Rabitzgewebe, Rabitzgewölbe, Rachel, Rad, Raden, Radfächer, Radfenster, Radical Realism, Radieren, Radiermanier, Radiernadel, Radiert, Radierung, Radiokarbonmethode, Radkragen, Radkreuz, Radleuchter, Radlpunze, Radschloss, Radschlossspanner, Rädchentechnik, Rähm, Rändelung, Rafael, Rahel, Rahle, Rahmen- und Füllbrettkonstruktion, Rahmkuh, Raitpfennig, Randleiste, Randschrift, Ranft, Ranftbecher, Rangkrone, Rankenverzierung, Rape (Râpe) à tabac, Raphael, Rapier, Rapport, Raptusgruppe, Raritätenkabinett, Raster, Ratan, Rationale, Ratskanne, Ratskapelle, Rattan, Rattenschwanzlöffel, Raub der Amymone, Raub der Europa, Raub der Sabinerinnen, Raubgruppe, Rauchfass, Rauchmantel, Rauchquarz, Rauchtopas, Raumkunst, Rauschgelb, Rauschgold, Raute, Rautenfachwerk, Rautenglas, Rautenschliff, Rayogramm, Rayonismus, Re, Rea, Ready-made, Realismo, Realismus, Rebekka, Reben-Christus, Rebenschwarz, Rebus.
Rebusknöpfe, Récamière, Rechaud, Rechbrett, Rechenbrett, Rechenpfennige, Rechts und links, Rectilinear Style, Recto, Red ware, Redegestus, Redendes Wappen, Reebrett, Refektorium, Refektoriumstisch, Reflexlichter, Reformationsmünzen, Regal, Regard-Schmuck, Regenbogen, Régence, Regency Style, Regentenstück, Regina coeli, Register, Regulator, Regulinisches Metall, Reiberdruck, Reichenauer Malerschule, Reicher Fischzug, Reicher Stil, Reichsadlerhumpen, Reichsapfel, Reichsinsignien, Reichskleinodien, Reichstaler, Reifrock, Reihung, Reimser Schule, Reingold, Reisealtar, Reisige, Reisigsammler, Reiskorndekor, Reisporzellan.
Reißblei, Reißen, Reißkohle, Reiterbecher, Reiterheilige, Reiterstandbild, Reiterstein, Reitrampe, Reitstiege, Reitstock, Reittreppe, Rekonstruktion, Rekto, Relief, Reliefauflagen, Reliefbild, Reliefdruck, Reliefgoldglas, Reliefgravur, Reliefintarsie, Reliefprägung, Reliefsatiné, Reliefschnitt, Reliefstickerei, Reliquiar, Reliquie, Reliquienaltar, Reliquiengruft, Reliquienmonstranz, Remarque-Blatt, Remboîtage, Remedium, Rempter, Remter, Remus, Renaissance, Rentierzeit, Rentoilage, Rentoilieren, Repentiers, Repetieruhr, Replik, Replikat, Repositorium, Repoussieren, Repoussoir, Reprobus.
Bei der Ätzung greift die Ätzflüssigkeit die Platte auf den Stellen zwischen den Staubkörnern an und erzeugt ein je nach Ätzdauer verschieden tief gelegtes Korn, das dann auch dementsprechend verschieden starke, geschlossene Töne beim Druck liefert. Der Abdruck beim Aquatintaverfah-ren ähnelt daher einer Tuschzeichnung, kombiniert mit Feder, in diesem Falle der (Radiernadel.
Eine weitere Variante der Ätzgrund-iR. ist das V e r n i s -mou (Durchdrückverfahren): Aiuf die mit der üblichen dünnen Asphaltschichte überzogenen Kupferplatte wird ein sehr dünnes, gekörntes Papier gelegt und auf diesem in herkömmlicher, sehr präziser Art mit einem härteren Bleistift gezeichnet. Der Druck des Bleistiftes hebt die Asphaltschicht ab und legt das Kupfer frei. Nach fertiggestellter Zeichnung wird in der üblichen Weise geätzt und im Bedarfsfälle mit Aquatinta kombiniert. Bei allen Radierungsarten können kleine Partien in Töne umgewandelt werden, indem man sie mit der Roulette, einem gekörnten Rädchen, übergeht; es rauht entweder das blanke Kupfer auf oder entfernt kornartig den Atzgrund. Die farbige R. kann bei ihren Abarten, am besten jedoch bei der Aquatinta, durchgeführt werden. Die Platte wird vor jedem Druck entsprechend eingefärbt oder der Künstler hat für jede Farbe eine eigene Platte geschaffen; der Druck entsteht dann durch Übereinanderdruk-ken der verschiedenen Platten. Die ersten noch ohne wesentliche Nachfolge gebliebenen Radierversuche auf Eisenplatten machte Dürer, die erste klassische Zeit der R. wurde jedoch dann das 17. Jahrh., wo neben der Reproduktions-R. auch die Künstlerradierung entstand (Cal-lot, Rembrandt, Herkules Seghers u. a. m.). Das 18. Jahrh. brachte in Firanesi und Canaletto tüchtige Architekturradierer hervor, während in Frankreich die farbige R. zu hoher Blüte entwickelt wurde. Das 19. Jahrh. und die Moderne kultivierte im steigenden Maß die Künstler-R. iAius der großen Zahl ihrer sehr bedeutenden Meister seien genannt: Charles Meryon, Charles Jaques, Klinger. Stauf-fer-Bern, Menzel, Whistler, Penneil, Brangweyn, W. Unger,
Kasimir, Schmutzer und Peter Halm.
Liter.; Singer,, „Moderne Graphik"; Ziegler, „Die graphischen Techniken".
Raeburn, Henry, Sir (M), geb. 1756 Stockbridge, gest. 1823 Edinburgh. Im wesentlichen Autodidakt, beeinflußt durch Velas-quez; sehr bedeutender englisch. Bildnismaler der klassizistischen Zeit ohne deren Stilmerkmale. Schottischer Hofmaler. Seine prachtvollen Bildnisse sind farbenkräftig und sehr lebendig aufgefaßt; die Technik breit u. in erster Linie auf das Malerische eingestellt.
Raentz, Johann David (B), geb. vor 1733 Bayreuth, gest. 1783. Angeregt durch Schlüter; tätig in Bayreuth, Kopenhagen u. Potsdam, Standbilder und Bauplastiken.
Raffael, richtig Raffaello Santi (M), geb. 1483 Urbino,, gest. 1520 Rom. Tätig (in Florenz bis 1508, dann von Papst Julius II. über Vermittlung des Bramante nach Rom berufen. Zuerst Schüler seines Vaters Giovanni Santi u. des Timoteo della Vlte, dann ab 1499 bei Perugino in Perugia. Rückkehr nach Florenz 1504 und Beginn d. Selbständigkeit. Nunmehr angeregt durch Lionardo und durch Fra Bartolomeo. 1508 nach Rom (s. o.). Ist Michelangelo der dämonischsubjektive Höhepunkt der Renaissance, so Raffael der apollinische; Stille, abgeklärte Ruhe liegen ihm weit näher, als Dramatik und kühne Bewegung, obwohl er auch in solchen Meister war.
Die Gemälde Raffaels sind auf das Vollendetste komponiert, die Beseelung besonders bei den Madonnenbildern und den Bildnissen lebendig und nie an der Oberfläche haftend und das Kolorit oft derart bedeutend, daß man Raffael auch in diesem Punkte den größten Maler der mittelitalienischen Hochrenaissance nennen mvuß. Er kommt mehrmals koloristisch dem Helldunkel des Lionardo sehr nahe. Außer d. Komposition hat auch die Zeichnung einen nicht mehr steigerbaren Höhepunkt erreicht, und, wenn auch tief Im Christlichen wurzelnd, ist der Meister der Heiterkeit der klassischen Antike doch weit näher gekommen, als alle Jene,, welche die Antike bewußt nachahmten. Diese Gipfelstellung Raffaels bedingte, daß nach ihm kein Mehr oder Höher möglich war, sondern nur ein Absinken oder ein Verändern. Instinktiv war sich Kaffael selbst bewußt, wie sehr er z. B. mit den Fresken in der Stanza segnatura des Vatikans oder der Sixtinischen Madonna eine nie mehr überbietbare Vollendung in der Richtung der Ideale der Hochrenaissance erlangt habe und darum sind die Werke der letzten Jahre ein Abrücken von jenen Idealen, zuerst in kompositorischer und malerischer Beziehung u. schließlich auch im Seelischen; es hat daher Raffael nicht nur die Hochrenaissance vollendet, sondern sie auch bereits in der Richtung zum Barock zu überwinden begonnen, er ging den gleichen Weg wie Michelangelo. Werke: a) religiöse und sonstige Tafelbilder: 1. Florentiner Zeit: „Der Traum des Ritters" (London, Nat. Gal. um 1499); „Madonna" (Berlin, K.-Fr.-Mus., um 1501); „Triptychon der Kreuzigung" (Petersburg, Ermitage, um 1501); „Madonna aus dem Hause Diota-levi" (Berlin. K.-Fr.-Mus., um 1502); „Madonna mit Heiligen" (ebda. 1502); „Madonna Conesta-bile" (Ermitage, gegen 1503); „Krönung Mariens" (Rom, Vatikan, 1503); „Vermählung Mariens" (Mailand, Brera, 1504); „Madonna Terranuova" (Berlin, K.-Fr.-Mus., um 1505); „Madonna del Granduca" (Florenz, Pitti, um 1505); „Madonna aus dem Hause Tempi" (München, Alte Pinak., um 1505); „Madonna mit dem liegenden Kind" (London.
Bridgewater Gal., um 1505); „Hl. Familie mit dem Lamm" (Prado 1507); „Madonna Ansidei" (London, Nat. Gal., gegen 1506); „Madonna aus dem Hause Orleans" (Chantilly bei Paris, um 1506); „Madonna im Grünen" (Wien,, Ksth. Mus., gegen 1506); „Madonna del Cardellino" (Florenz, Uffizien, 1506); „Madonna aus dem Hause Oanigiani" (München, Alte Pinak., um 1506); „Madonna mit dem bartlosen Hl. Josef" (Ermitage 1506); „Grablegung" (Rom, Gal. Borghese, 1507); „Madonna", genannt „La belle jardiniere" (Paris, Louvre, 1507); „Hl. Katharina von Alexandria" (London, Nat. Gal., um 1507); „Maria aus dem Hause Colonna" (Berlin, K.-Fr.-Mus., um 1507/8); „Madonna Eszter-häzy" (Budapest, Nat. Gal., vor 1508); „Madonna aus dem Hause Alba" (Ermitage, um 1508). 2. Römische Zeit: „Madonna mit dem Schleier" (Paris, Louvre, um 1510); „Vision des Ezechiel" (Florenz. Pitti, 1510); „Madonna von Foligno" (Rom, Vatikan, 1511); „Madonna mit d. Kandelabern" (London, Nat. Gal., um 1513); „Madonna mit dem Fisch" (Madrid, Prado, um 1513); „Madonna mit dem Baldachin" (Florenz, Pitti, um 1514); „Madonna dell'lmpannata" (Florenz, Pitti, gegen 1514); „Heilige Familie", gen. „Die Perle" (Madrid, Prado. 1515); „Hl. Cäcilie" (Bologna, Pinak., um 1515); „Madonna della Sedia" (Florenz, Pitti, 1516); „Kreuztragung", genannt „Lo spasimo di Sicilia" (Madrid, Prado, um 1517); „Große heilige Familie" (Paris, Louvre, 1518.
Zuschreibung nicht ganz sicher); „Heilige Familie unter d. Eiche" (Madrid, Prado, ebenso, 1518); „.Sixtinische Madonna" (vor 1519, bis 1945 Dresden, Gem.-Gal.); „Begegnung Mariens mit Elisabeth" (Madrid, Prado, um 1519); „Madonna della Ten-da" (München, Alte Pinak., um 1519); „Verklärung Christi", die Trasfigurazione (Rom, Vatikan, beim Tode 1520 fast fertig). B) Bildnisse: 1. Florentiner Zeit: Bildnisse des Angelo und der Maddalena Doni (Florenz, Pitti, 1504); „La donna gravida" (Florenz, Pitti, um 1505); „Bildnis eines Greises" (Ermitage, um 1506). 2. Römische Zeit: „Papst Julius n." (Florenz, Pitti, um 1510); „Bildnis eines jungen Mannes" (Paris, Louvre, um 1515); „Bildnis des Bindo Altoviti" (München. Alte Pinak., um 1515, vielleicht Schulbild); „Donna Ve-lata" (Florenz, Pitti, Zuschreibung zweifelhaft, um 1515); „Die Fornarina" (Rom, Pal. Barberini.
Zuschreibimg zweifelhaft, um 1515); „Bildnis des Grafen Casti-glicme" (Paris. Louvre, 1515); die Staatsmänner Navagero und Beazzano (Kom, Palazzo Doria, 1516); „Johanna von Aragonien" (Paris, Louvre, um 1518); „Bildnis eines Kardinals" (Madrid, Prado, um 1518); .„Papst Leo X." (Florenz, Pitti, vor 1519). C) Fresken und Gobelinentwürfe: Dreifaltigkeitsfresko in Perugia (San Severo, nur der oberste, stark beschädigte Teil erhalten, vor 1507); Vatikan. Stanza della segnatura (Schule von Athen, Parnass, Dispute, Deckenbilder,, 1508 bis 1511); Stanza del Eliodoro („Vertreibung des Heliodor", nach 1512; „Messe von Bolsena". vor 1514 und „Befreiung Petri", vor 1514); Stanza deH'incenidio (Brand im Borgo, vor 1517); die übrigen Fresken in den, Stanzen des Vatikans nach Entwürfen Raffaels oder überhaupt von anderen. — „Prophet Isaias" (Rom, Sant' Agostino , um 1512); „Die Sibyllen" (Rom. Sta Maria della pace, 1514); „Triumph der Galatea" (Rom, Villa Farnesina, 1514); Zyklus „Amor und Psyche" (Rom, Villa Farnesina, vor 1517). Entwürfe zu den Fresken in den Loggien des Vatikans (von fremder Hand ausgeführt, vor 1518). Kartons zu Gobelins, mit Hilfe der Schüler (sieben Stück in London, Soath Kensington Mus., 1515/16, die ausgeführten Gobelins im Vatikan, Berlin und Madrid).
Raffael war insoweit auch als A. tätig, als er Entwürfe für verschiedene Palastfassaden gearbeitet hat. Von ihm ist die In-nen-iAnlage der Villa Farnesina, die Capeila Chigl. die Palazzi Caffarelli (Rom) und Pandolfini (Florenz), in Rom noch die Villa Madama. Ferner war R. auch Bauleiter von St. Peter in Rom. Der Einfluß Raffaels reichte bis in das 19. Jahrh. hinauf. Große Teile der Barockkunst sind ohne ihm nicht denkbar; das gilt auch für den Klassizismus und für die meisten Nazarener. Erst gegen 1830 begann man sich von ihm abzuwenden, weil Verlangen und Fähigkeit nach vollendeter Komposition immer geringer wurden.
Aus der ziemlich großen Literatur: H. Grimm (4. Aufl., Stuttgart 1903), G. Gronau (Klassiker d. Kunst, Stuttgart 1909), L. Ven-turi (Roma 1920, ital.). E. Suida (London 1938) und G. Stepanow (Zürich 1948).
Raffaeli„ Francisque Jean (M u. Gr), geb. 1850 Paris, gest. 1924 ebda. Schüler v. Geröme. Stadt-und Straßenbilder in schöner Freilichtmalerei im Anschluß an Monet. Fartoradierungen und Illustrationen. Erfinder der öl-kreidestifte.
Raffaellino del Colle, siehe Colle.
Raffaellino del Garbo, siehe Garbo.
Raffalt, Ignaz (M), geb. 1800 Weißkirchen (Stink.), gest. 1857 Hainbach bei Wien. Begann als Genre- und Vedutenmaler und setzte dann in Wien mit gut beobachteten, leicht realistischen Landschaften fort. Sein Sohn Johann R. (geb. 1836 Murau, gest. 1865 Rom) malte Landschaften und Genresachen aus Ungarn in sichtlicher Beeinflussung durch Pettenkofen.
Raffet, Denis (M). geb. 1804 Paris, gest. 1860 Genua. Schüler u. Nachfolger von Gros auf dem Gebiete der Schlachtenmalerei. Seine Hauptbedeutung liegt auf seinen Zeichnungen und Lithographien, mit denen er besonders die Armee Napoleons I. verherrlichte. Illustrationen.
Rani, Karl Heinrieh d. A. (M), geb. 1779 Wien, gest. 1843 ebda. Vater des Folgenden, Genre und Historien.
Rahl, Karl (M), geb. 1812 Wien, gest. 1865 ebda. Studierte in Wien u. auf Reisen in Deutschland und Italien, Akad. Prof. n Wien. Bedeutender Historienmaler des koloristischen Realismus bei sehr guter Komposition. Tafelbilder (Historien, Religiöses, Bildnisse) und Monumentales: Athen (Neue Universität), Wien (Palais Sina, 1945 zerstört, Griech.-orthod. Kirche, 1856, Arsenal, Treppenhaus, Heinrichshof, 1945 zerstört, Oper, Vorhang der tragischen Oper, 1945 zerstört). Schloß Hernstein.
Ring, Ringbaum, Ringelbecher, Ringeln, Ringelornament, Ringelpanzer, Ringelpanzerkapuze, Ringelung, Ringfinger, Ringgefäße, Ringkopf, Ringkrug, Ringlochmaß, Ringmauer, Ringpanzer, Ringpfeiler, Ringplatte, Ringschiene, Ringschulter, Ringstock, Ringuhr, R.I.P., Rippe, Rippengewölbe, Rippenstuhl, Risa, Risalit, Riss, Rissbildungen, Ritterkrone, Ritterorden, Ritzhärte, Ritzmarke, Ritzzeichnungen, River, Rivière de Diamants, Rocaille, Rochus, Römer, Römische Parkettierung.
Remelus, Glllis (M), geb. vor 1622, gest. 1667 London. Malte in einer dem Rubens ähnlichen Technik Bildnisse und Genre. Remter (A), das Refektorium eines Klosters des Deutschen Ritterordens (siehe Kloster). Renaissance (stilkundlich, K), die erste Phase der europäischen Kunst der Neuzeit, in Italien (MittelitaMen) ab 1420 bis gegen 1560, in den Niederlanden ab ungefähr 1450 bis 1600, in den übrigen Ländern von, um oder bald nach 1500 bis 1600. Im übertragenen Sinne auch das Wiederaufleben einer vergessenen Kunstübung oder die Neuschätzung eines vergessenen Künstlers.
Die Stilepoche der R. Ist die bewußte und notwendige Reaktion des zu neuem, individuellem Leben erwachten europäischen Menschen gegen den Kollektivismus des Mittelalters (s. d.), entstanden aus dem in schweren Kämpfen geborenen Wunsch, sich persönlich und ohne kirchliche Vermittlung mit den übersinnlichen und religiösen Begriffen auseinanderzusetzen. Damit ging zuerst in Italien Hand in Hand eine Hinwendung zur Antike als einem für diese Wünsche besonders vorbildlichen Zeitalters, wozu in Italien noch nationale Verbindungen mit dem antiken Rom kamen. Doch trat eine bewußte und bindende Nachahmung der verehrten Antike in Italien vorerst nicht auf und auch später haben die modernen Bestrebungen alles übermäßige Antikisieren überwunden. Stärker war die Anlehnung an die Antike hingegen in Deutschland und teilweise auch in Frankreich, wo man jedoch das Antike in der bildenden Kunst auf dem Wege über die italienische Vermittlung bezog.
Die R. in Italien beginnt somit als die Kunst des freigewordenen Individuums mit Besinnung auf seine nationale, also römisch-antike Herkunft, bei betonter Überwindung und Beseitigung der mittelalterlichen Einflüsse und bei einer sehr lebhaften Hinwendung zur Natur, die wieder richtunggebend wird. Dazu tritt als Gegengewicht gegen einen übertriebenen Naturalismus ein hoher Schönheitssinn und der Wille zur Idealität auf naturhafter Grundlage. Soweit nicht Italiener in den übrigen Kunstländern Europas schaffen, wird dort wohl die reue italienische Kunstform nachgeahmt und Gleichfalls das Naturstudium betrieben, die idealisierenden Kunstabsichten dagegen treten zurück vor einem mitunter sehr derben Naturalismus oder werden in einen leeren Manierismus umgewandelt. Typisch für die R. besonders in Italien ist der Wunsch, die neaen Kunstabsichten theoretisch zu unterbauen, daher treten, zuerst in der Toskana, bedeutende theoretische Schriftsteller auf, die alle gleichzeitig auch tüchtige Künstler waren.
In der Baukunst hat die R. das gotische System vollkommen beseitigt und griff auf die ursprünglichen Formen der Langhausbasilika und des Zentralbaues zurück, wobei besonders dieser eine großartige Steigerung erfuhr, indem das Motiv der Kuppel und die Harmonie des Raumes zur letztmöglichan Steigerung geführt wurden. Der Grundrißform der Basilika und des Zentralbaues hat die R. nichts Neues beigefügt; neu 'st die Harmonisierung und die Verwendung naturalistischerBauornamente auf antiker Basis. Von den weltlichen Bauten erhält besonders der Stadtpalast seine moderne Prägung und neuzeitliche Wohnlichkeit; der säulenumgebene Innenhof spielt in der Art des Peristyls (s. d.) eine besondere Rolle. Eine großartige Entwicklung fand ferner in Italien die Landvilla und dn Deutschland wie in Frankreich das neuzeitliche Wohnschloß (siehe Schloß). In allen Fällen wird die antike Formensprache mit großartigem neuem Schöpfergeist um- und weitergebildet.
Da die R. das Seiende und Sichtbare, wenn auch in zunehmend idealisierter Weise wiederzugeben trachtete, traten in der Malerei und Plastik übersinnliche Absichten zurück und wenn sie thematisch vorhanden waren, geschah ihre Gestaltung mit naturgegebenen Formen. Bei aller Idealität werden nunmehr die religiösen Szenen von echt menschlichem Leben erfüllt und und durch die Hinwendung zum Seienden gewinnt das Porträt einen gewaltigen Aufschwung und das Genre, wenn auch vorerst in religiöser Umschreibung, wird neu geschaffen. In den Niederlanden löst es sich nach 1550 von der religiösen Bindung vollkommen los und wird ein mit großer malerischer Kraft ausgebautes neues Kunstthema. Auch die Ansätze zur modernen Landschaftsmalerei liegen in der R. Dadurch ist auch die restlose Erarbeitung des Raumes gegeben.
Perioden: Frührenaissance (Quattrocento): ungef. 1420 bis 1500, nördlich der Alpen, ungef. 1500 bis 1540, Hochrenaissance: 1500 bis gegen 1540 (nördlich der Alpen bis gegen 1570). Spätrenaissance: bis gegen 1560, nördlich der Alpen wegen des unauffälligen Überganges in das Frühbarock, kaum zeitlich feststellbar, ungef. um 1610.
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